Ärzte Zeitung online, 25.09.2017
 

KV Berlin

Honorarverteilung in Berlin auf dem Prüfstand

Der Vorstand der KV Berlin versichert, das Honorar inzwischen regelgerecht zwischen Haus- und Fachärzten aufzuteilen. Das sei nicht immer so gewesen.

BERLIN. Die Berliner Hausärzte haben in der Vergangenheit durch Unregelmäßigkeiten in der Honorarverteilung tendenziell zu wenig Geld erhalten. Das bestätigt der aktuelle Vorstand der KV Berlin im Nachgang zu einem Bericht des Revisionsverbandes über eine Honorarsonderprüfung für drei Quartale zwischen 2013 und 2015. "In der Vergangenheit hat es Unregelmäßigkeiten in der Honorarverteilung gegeben. Diese führten tendenziell zu einer Belastung im hausärztlichen Bereich", teilt der KV-Vorstand auf Nachfrage der "Ärzte Zeitung" in einer schriftlichen Stellungnahme mit.

Allein für das dritte Quartal 2013 stellte Wirtschaftsprüfer Rolf Büchter vom Revisionsverband mehrere Probleme fest: Unter anderem sei der Trennungsfaktor zulasten der Hausärzte abweichend von der bundesweit vorgegebenen Formel berechnet worden – und das schon seit 2009. Einige der Probleme wiederholten sich Büchter zufolge ein Jahr später, obwohl die Fachabteilung den Vorstand auf den Sachverhalt hingewiesen habe. Weitere Probleme seien hinzugekommen: "Der Grundbetrag für die Fachärzte war zu hoch", sagte er bei der Analyse des dritten Quartals 2014. Ein Korrekturbetrag sei doppelt berücksichtigt worden. Im ersten Quartal 2015 würden dem Bericht zufolge von 5,29 Millionen Euro eingestellter Honorarsumme 30,38 Prozent den Hausärzten und 69,62 Prozent den Fachärzten zugeschlagen.

Welche Konsequenzen aus den neuen Analysen gezogen werden, sollen nun zunächst der Honorarverteilungsausschuss der KV und die beratenden Fachausschüsse der Hausärzte, Fachärzte und Psychotherapeuten diskutieren. Neben Änderungen für die Zukunft sollen die Ausschüsse auch über rechtliche Konsequenzen beraten. Das hat die Vertreterversammlung einstimmig beschlossen.

Erste Konsequenzen hat die KV Berlin bereits gezogen. Das Interne Kontrollsystem IKS wurde seit 2015 deutlich ausgebaut und ein Zeitraum für einen Quartalsabgleich definiert. "Die Fehler der Vergangenheit sind ausgemerzt", so der KV-Vorstand in seiner Stellungnahme. Die Hausarzt-Facharzt-Trennung erfolge nun regelgerecht. Darüber hinaus kündigte der Vorstand an, dass er in Abstimmung mit dem Honorarverteilungsausschuss die Honorarverteilung in den Jahren 2017 und 2018 für jeweils ein Quartal extern überprüfen lassen will und die Vertreterversammlung nach Kräften bei ihrem Bemühen um Aufarbeitung der Verwerfungen zu unterstützen beabsichtige.

Im Juni wurde erstmals ein Honorarbericht vorgelegt. Der nächste soll im Oktober erscheinen. Er wird auf Wunsch einiger KV-Mitglieder auch die Streubreite der Honorare innerhalb der Fachgruppen angeben. (ami)

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