Ärzte Zeitung online, 20.10.2017
 

Kassenarzt 2015

Moderater Honorarzuwachs

2015 war für Hausärzte nicht das schlechteste Jahr, verzeichneten sie doch eine doppelt so starke Zunahme des vertragsärztlichen Honorars wie ihre fachärztlichen Kollegen.

Von Christoph Winnat

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BERLIN. Ausweislich des jüngsten Honorarberichts, den die Kassenärztlichen Bundesvereinigung am Donnerstag veröffentlichte, ist die GKV-Gesamtvergütung für ärztliche Leistungen 2015 über sämtliche Fachgruppen und Regionen hinweg um 3,4 Prozent auf rund 35,6 Milliarden Euro gestiegen. Runtergerechnet auf die Anzahl der Versicherten fällt der Honorarzuwachs mit plus 2,7 Prozent (auf 502,73 Euro Arzthonorar je Kassenfall) etwas geringer aus. Erfreulich: Der extrabudgetäre Honoraranteil fiel in der Berichtsperiode mit +5,7 Prozent (auf insgesamt 11,6 Milliarden Euro) deutlich stärker aus als die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (+2,3 Prozent auf 24 Milliarden Euro).

1,2 Prozent Zuwachs über alle

Je niedergelassenem Arzt und Psychotherapeuten verbesserte sich der Honorarumsatz aus GKV-Versorgung im Berichtsjahr um 1,2 Prozent auf durchschnittlich 211.892 Euro. Pro Behandlungsfall erhöhte sich der Honorarumsatz im Jahresschnitt und über sämtliche Fachgruppen und Regionen hinweg um 2,4 Prozent auf 63,63 Euro.

Bei den Hausärzten liegen die Zuwachsraten dichter beieinander: Honorarumsatz und Fallwert verbesserten sich um jeweils 1,5 Prozent und 1,4 Prozent. In absoluten Zahlen nahmen Hausärzte 2015 pro Kopf durchschnittlich 212.801 Euro aus der GKV-Versorgung ein. Allerdings stiegen die Hausarzthonorare annähernd doppelt so stark wie die fachärztlichen, für die durchschnittlich nur +0,8 Prozent Zuwachs verzeichnet ist. Im Bundesdurchschnitt erwirtschafteten die fachärztlichen Kollegen pro Kopf 202.876 Euro aus GKV-Versorgung; wobei sich deren Fallwert im Jahresmittel um 3,0 Prozent auf 68,32 Euro verbesserte.

Humangenetiker vorn

Zu den fachärztlichen Honorar-Gewinnern zählten in der Berichtszeit unter anderem Humangenetiker (+10,5 Prozent auf durchschnittlich 905.787 Euro Honorarumsatz), Fachärzte für Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie (+5,0 Prozent auf 79.534 Euro) oder Augenärzte (+4,8 Prozent, 268.216 Euro.) Die größten Verlierer unter den Spezialisten waren Internisten mit Schwerpunkt Angiologie (-4,4 Prozent auf 242.126 Euro Honorarumsatz pro Kopf) und Internisten mit Schwerpunkt Hämatologie/Onkologie (-3,6 Prozent, 372.332 Euro).

Innerhalb des hausärztlichen Versorgungsspektrums zeigen sich je nach KV-Bezirk durchaus eklatante Einkommens-Unterschiede. So variieren die Veränderungsraten über den gesamten hausärztlichen Versorgungsbereich von +3,9 Prozent in Hamburg bis -1,2 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Außer in diesem Flächenland mussten nur noch die hausärztlichen Kollegen in Sachsen Honorareinbußen hinnehmen. Die fielen mit -0,2 Prozent allerdings noch vergleichsweise glimpflich aus.

Die höchsten Pro-Kopf-Einnahmen aus Kassenarzttätigkeit erzielten 2015 Hausärzte in Sachsen-Anhalt und Thüringen (jeweils rund 263.000 Euro). Die niedrigsten Einnahmen weist der Honorarbericht mit 170.613 Euro für Baden-Württemberg aus. Die Honorarstatistik ist jedoch um die Gelder aus Hausarztverträgen bereinigt. Deshalb sind für Bezirke mit hoher Hausarztvertrags-Dichte starke Verzerrungseffekte zu konstatieren. Das trifft außer für Baden-Württemberg auch auf Bayern zu. In der hausarztzentrierten Versorgung (HzV) sind bekanntermaßen deutlich höhere Fallwerte üblich als im Kollektivvertrag – wiederholt war von 20 bis 30 Euro mehr die Rede.

Schlusslicht Berlin

Für Baden-Württemberg und Bayern weist der KBV-Bericht denn auch die mit weitem Abstand höchsten Bereinigungssummen aus: Im Ländle summiert sich der selektivvertragliche Kassenumsatz 2015 auf 386 Millionen Euro, in Bayern auf knapp 257 Millionen Euro. Zur Veranschaulichung: In Westfalen-Lippe, dem Bezirk mit der nächsthöchsten Bereinigungssumme, beläuft die sich auf gerade mal 58 Millionen Euro.

Von Baden-Württemberg und Bayern abgesehen, verbuchten die Berliner Hausärzte im Berichtsjahr mit rund 187.000 Euro den niedrigste Honorarumsatz aus GKV-Versorgung.

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