Ärzte Zeitung online, 25.10.2017
 

Honorarbericht 2015

Vertragsärzte verzeichnen stabile Rentabilität

"Entscheidend ist, was hinten rauskommt" – der Klassiker des Altkanzlers Helmut Kohl gilt auch für Kassenärzte. Mit 51 Prozent Rentabilität vor Steuern müssen sie sich nicht verstecken. Große Gewinner dieses Jahr: Hausärzte.

Von Christoph Winnat

Vertragsärzte verzeichnen 2015 erneut stabile Rendite

Alle Hände voll zu tun am Jahresende? Für Kassenärzte hat sich das Jahr 2015 noch gelohnt.

© Patrick Pleul / dpa

BERLIN. Die Erträge aus vertragsärztlicher Tätigkeit halten mit den Honorarumsätzen Schritt: Laut aktuellem Honararbericht 2015 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sind die Honorarumsätze der niedergelassenen Ärzte im Berichtsjahr um 1,2 Prozent auf im Schnitt 211.892 Euro je Arzt gestiegen.

In der gleichen Zeit haben sich die daraus erzielten Überschüsse mit 108.718 Euro je Arzt oder Vertrags-Psychotherapeut um 1,6 Prozent gegenüber 2014 verbessert.

Den Überschuss aus GKV-Tätigkeit ermittelt die KBV, indem vom Honorarumsatz sämtliche Betriebskosten abgezogen werden. Daraus resultiert als "Überschuss" der "Gewinn vor Steuern" im Sinne einer unternehmerischen Gewinn- und Verlustrechnung.

Auf ihren eigentlichen Überschuss respektive Nettogewinn kommen Freiberufler erst nach Steuern sowie Abzügen für Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung. Laut jüngstem Zahlenwerk des Zi-Praxis-Panels mindern diese Aufwendungen den sogenannten Überschuss noch einmal um rund die Hälfte.

Pädiater verlieren leicht

Stichwort: Honorarbericht

» Mit dem Versorgungsstrukturgesetz wurde die Kassenärztliche Bundesvereinigung 2012 verpflichtet, regelmäßig über die Entwicklung der Vertragsarzthonorare (Gesamtvergütung, Bereinigungssummen, Honorarumsatz je Arzt und Arztgruppe etc.) zu informieren.

» Die bis dato veröffentlichten Honorarberichte reichen bis zum 1. Quartal 2011 zurück. Sie können auf der Website der KBV heruntergeladen werden.

Für Allgemeinmediziner und hausärztliche Internisten fiel nicht nur die Honorar-, sondern auch die Ertragsentwicklung in GKV-Diensten 2015 überdurchschnittlich gut aus. Mit 112.721 Euro verbesserte sich der pro-Kopf-Überschuss dieser Gruppe um 2,9 Prozent. Weniger Glück hatten die Pädiater, deren vertragsärztliche Gewinne um -1,8 Prozent auf im Schnitt 112.589 Euro zurückgingen.

Gemessen am durchschnittlichen Honorarumsatz ihrer Gruppe (208.274 Euro, +1,8 Prozent) kommen die Allgemeinmediziner auf 54 Prozent Rendite aus Kassenarzttätigkeit; das bedeutet gegenüber Vorjahr ein leichtes Plus von einem halben Prozentpunkt.

Bei den Pädiatern mit im Schnitt 220.174 Euro Honorarumsatz (-0,05 Prozent) ergibt sich hingegen eine leichte Verschlechterung der Ertragskraft um einen Prozentpunkt auf 51 Prozent.

GKV-Ertragskraft insgesamt stabil

Uneinheitlich fällt die Gewinnentwicklung auch bei Fachärzten mit hausarztverwandtem Tätigkeitsspektrum aus: Internisten ohne Schwerpunkt etwa verbesserten ihren Gewinn aus Kassenarzttätigkeit um 3,9 Prozent auf durchschnittlich 137.973 Euro pro niedergelassenem Kollegen. Damit erhöhte sich gemessen am mittleren Honorarumsatz dieser Gruppe (278.308 Euro, +1,8 Prozent) deren Rentabilität um ein Prozentpunkt auf 49,6 Prozent.

Internisten mit Schwerpunkt Kardiologie verzeichneten trotz leichten Honorarzuwachses um 0,5 Prozent (auf 268.902 Euro) einen vergleichsweise kräftigen Gewinnrückgang um vier Prozent auf 136.170 Euro je Arzt. Damit verringerte sich die kassenärztliche Rentabilität dieser Gruppe um 2,6 Punkte auf 50,6 Prozent.

Über die gesamte Breite des haus- und fachärztlichen Leistungsspektrums hinweg erweist sich die Ertragskraft der freiberuflichen Ärzte in GKV-Diensten allerdings als ziemlich stabil: 2013 blieben vor Steuern 52 Prozent des Honorarumsatzes als "Überschuss" hängen, im Jahr darauf waren es 51,1 Prozent und für das aktuelle Berichtsjahr 2015 werden 51,3 Prozent ausgewiesen.

[26.10.2017, 00:27:56]
Dipl.-Psych. Regine Posé 
Große Verlierer: Psychotherapeuten- seit 18 Jahren ohne stabile Rentabilität
Laut jüngster Erhebung des stat. Bundesamts erwirtschaften Psychotherapeuten bei vergleichbarer Arbeitszeit (45 bzw. 51 Stunden) einen Reinertrag (Umsatz abzügl. Kosten) in Höhe von 70.600 Euro p.a., Ärzte dagegen durchschnittlich 258.000 Euro. Seit ca. 18 Jahren kämpfen Psychotherapeuten daher vor den Gerichten um mehr Gerechtigkeit bzgl. der Honorarverteilung der Kassenärztlichen Vereinigungen. Seit Erhebung des stat. BA 2011 verzeichnen somatisch tätige Arztgruppen durch jährlich regionale Honorarverhandlungen eine deutlich größere Einkommenssteigerung als die Psychotherapeuten. Gemäß BSG-Urteilen ab 1999! muss es zu einer regelmäßigen Anpassung der Einkommensentwicklung der Psychotherapeuten an die der Ärzte durch den Bewertungsausschuss (KBV und GKV-Spitzenverband) kommen. Dies wurde vom BA seit 2008 ignoriert. Hier steht die neue Bundesregierung in der Pflicht und muss dringend regulierend eingreifen!  zum Beitrag »
[25.10.2017, 06:15:09]
Dipl.-Psych. Rainer Weber-Thammasut 
Verschämt? - Unverschämt!
Wenn die Vertragspsychotherapeuten bei den Durchschnittsberechnungen für die Vertragsärzte rausgenommen werden, sehen die Zahlen für die Vertragsärzte noch besser aus. Vielleicht stellt das ein Kollege hier noch mal ausführlicher dar.
Mich juckt das Elend der Psychotherapeutenhonorare nicht mehr, ich habe meine Kassenzulassung zurückgegeben und genieße den Ruhestand auf Koh Samui.  zum Beitrag »

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