Ärzte Zeitung online, 27.10.2017
 

IGeL

Wunschleistungen nur nach wirtschaftlicher Aufklärung!

Prävention und innovative Leistungen stehen bei IGeL-affinen Patienten seit jeher hoch im Kurs. Dabei kommen Ärzte um analoge Leistungsabrechnung häufig nicht herum. Doch hier gilt es, einige Bedingungen zu beachten.

Von Hauke Gerlof

Wunschleistungen nur nach wirtschaftlicher Aufklärung!

Präventive Diagnostik auf Patientenwunsch zählt zu den ärztlichen Leistungen, die privat abzurechnen sind.

© Zsolt Nyulaszi / stock.adobe.com

FRANKFURT/MAIN. Das Konzept zu Individuellen Gesundheitsleistungen ist von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung vor 20 Jahren vorgelegt worden. Aber die grundlegenden Voraussetzungen für diese Leistungen, die nicht im GKV-Leistungskatalog enthalten sein dürfen, sind heute so aktuell wie im Jahr 1997.

Vor allem auf das schriftliche Einverständnis des Patienten komme es an, sagte Ina Mofidi von der Privatärztlichen Verrechnungsstelle PVS Südwest beim Tag der Privatmedizin in Frankfurt am Main. Die Vereinbarung sei abzuschließen, bevor die Leistung erbracht wird, und es gehöre ebenso dazu, Patienten eine Bedenkzeit einzuräumen, betonte die Rechtsanwältin.

Über Behandlungskosten informieren

Der Arzt müsse zudem über die anfallenden Behandlungskosten informieren, die der Patient zu übernehmen hat. Die Abrechnung erfolge dann über die GOÄ, Pauschalen dürften nicht berechnet werden.

Derartige Wunschleistungen kann es aber auch für Privatpatienten geben – wenn die Private Krankenversicherung nicht bereit ist, die Kosten für eine Leistung zu übernehmen. Der Arzt merkt davon allerdings nicht immer etwas, weil der Patient ja ohnehin die Rechnung begleicht, egal, ob die Versicherung die Kosten später erstattet oder nicht.

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Eine besondere Aufklärungspflicht haben Ärzte bei Privat- und bei selbstzahlenden Kassenpatienten auch dann, wenn sie eine Leistung erbringen, die nicht in der ärztlichen Gebührenordnung verzeichnet ist. Darauf weist Peter Gabriel, Geschäftsführer der PVS Südwest, auf Anfrage hin.

Ärzte hoffen auf Entspannung der Situation

Sie können bekanntlich über Analogleistungen, also nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertige Leistungen (Paragraf 6, Absatz 2, GOÄ), berechnet werden. Gerade in diesem Bereich kommt es immer wieder zu Streit um die Kostenübernahme, weil aufgrund der veralteten GOÄ für viele Leistungen – gerade bei Anwendung innovativer Medizintechnik und Op-Verfahren – nur die Analogberechnung möglich ist.

Durch Novellierung der GOÄ und die Aufnahme der über die Jahre in der Medizin etablierten innovativen Leistungen, erhoffen sich Ärzte und Privatversicherer eine Entspannung der Situation.

Auch nach Novellierung der GOÄ soll die Analogberechnung neuer Leistungen laut derzeitigem Planungsstand möglich sein. Auf die in Zukunft ebenfalls gewährleistete Offenheit der GOÄ für Innovationen wies kürzlich etwa PKV-Verbandsgeschäftsführer Dr. Timm Genett beim Tag der Privatmedizin hin.

Über das Maß des "medizinisch Notwendigen" hinaus

Innovationen werden nach Gabriels Auffassung daher weiterhin IGeL-Domäne bei Kassenpatienten bleiben, da für ambulante Leistungen in der Kassenmedizin der Genehmigungsvorbehalt gilt – und das dauere erfahrungsgemäß einige Jahre.

Problematisch, so der PVS-Südwest-Geschäftsführer, könnte es nur werden, wenn die neue Gemeinsame Kommission (GeKo) eine innovative Leistung ablehnt. "Eine Leistung, die nach Empfehlung der GeKo nicht in der GOÄ ist, könnte dann auch nicht mehr als Selbstzahlerleistung abgerechnet werden. Hier dient die GOÄ dann auch als Schutz des Patienten vor unseriösen Angeboten", betont Gabriel.

Präventionsleistungen, die über das Maß des "medizinisch notwendigen" hinausgehen, zum Beispiel eine Darmspiegelung alle drei Jahre auf Wunsch besonders vorsichtiger Patienten, seien auch in Zukunft weiterhin als Selbstzahlerleistungen nach GOÄ abrechenbar – und zwar für Kassen- ebenso wie für Privatpatienten, so Gabriel.

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