Ärzte Zeitung online, 30.10.2017
 

Sachsen

Ärzte erhalten Geld für telefonische Erreichbarkeit

Die KV Sachsen forciert eine bessere und breitere Kontaktaufnahme zu den Niedergelassenen: Teilnehmern winken pro Quartal bis zu 950 Euro extra.

Von Sven Eichstädt

Ärzte erhalten Geld für telefonische Erreichbarkeit

In Sachsen sollen Patienten ihre Ärzte jetzt zuverlässiger auch telefonisch erreichen können.

© Peter Atkins / Fotolia

DRESDEN. Ärzte in Sachsen erhalten zusätzliche Gelder, wenn ihre Patienten sie besonders gut kontaktieren können. Hierzu hat die KV Sachsen mit den Kassen Vereinbarungen abgeschlossen. Für die Jahre 2017 und 2018 stehen demnach jeweils rund 3,6 Millionen Euro zur Verfügung. Anlass zu der Maßnahme gibt die Sorge, es könnten zu viele Patienten die Notaufnahme von Krankenhäusern aufsuchen, weil niedergelassene Mediziner telefonisch schwer zu erreichen sind.

Allerdings gilt das nicht nur für Patienten: Auch "unter Kollegen" sei es "teilweise sehr schwierig", eine Arztpraxis telefonisch zu erreichen. Für Patienten sei die "Nichterreichbarkeit nicht selten ein Grund, den Weg in die Notaufnahme des Krankenhauses zu suchen", räumt die KV ein. "Die dort anfallenden Leistungen werden aber aus der budgetierten Gesamtvergütung aller Vertragsärzte bezahlt".

Aktuelle Frist bis Mitte November

3,6 Millionen Euro hat die KV Sachsen mit den Kassen zur Finanzierung ihres sogenannten "Erreichbarkeitsmodells" für 2017 und 2018 ausgehandelt.

Das Vergütungsmodell, das die KV vereinbart hat, gilt seit Juli dieses Jahres. Seit Oktober können sich auch psychotherapeutische Praxen daran beteiligen. Diese waren bisher ausgeschlossen. Die konkreten Bedingungen für Psychotherapeuten werden momentan noch verhandelt. Allerdings können sich psychotherapeutische Praxen schon jetzt bei der KV zur Teilnahme anmelden.

Für alle anderen niedergelassenen Ärzte gilt: Wenn Mediziner bis Mitte November mit der KV eine Vereinbarung abschließen, können sie die zusätzlichen finanziellen Mittel auch schon ab Oktober erhalten. Sonst wäre das erst wieder ab Jahresanfang 2018 möglich. Ausgenommen von einer Teilnahme an dem Programm sind Humangenetiker, Pathologen und Laboratoriumsmediziner.

Ärzte, die an dem Programm teilnehmen, verpflichten sich, dass ihre Praxis am Montag, Dienstag und Donnerstag von 8 bis 18 Uhr und am Mittwoch und Freitag von 8 bis 13 Uhr entweder telefonisch erreichbar ist oder mittels Bandansage oder Anrufbeantworter eine "qualifizierte Auskunft" erteilt wird.

Dafür erhalten die Ärzte dann – je nach Praxisgröße – 250, 500 oder 750 Euro pro Quartal. Die KV hat für die "qualifizierten Auskünfte" der Bandansagen Mustervorgaben erstellt, an denen sich die Praxisinhaber orientieren sollen. Diese Texte seien nur Vorschläge und keine verbindlichen Vorgaben, heißt es. Allerdings müssten die verwendeten Ansagen inhaltlich diese Aussagen komplett enthalten.

Vier zusätzliche Kontaktschienen

Die Textmuster der KV sind differenziert nach vier Kontexten: Ansagen während der Sprechstundenzeiten, für Zeiten außerhalb der Sprechstunden, für die Bereitschaftsdienstzeiten sowie für Zeiten längerer Abwesenheit, Urlaub oder Krankheit. Es genügt also keineswegs, einen einzigen allgemeinen Text auf den Anrufbeantworter der Praxis aufzuspielen. Vielmehr müssen Ansagen zu allen vier Anlässen aufgenommen werden.

Darüber hinaus erhalten Ärzte zusätzliches Geld, wenn sie zusätzliche Kontaktschienen anbieten. Für jede Variante gibt es 50 Euro im Quartal:

» Zum einen können sie eine E-Mail-Adresse angeben, unter der Termine vereinbart und Rezepte angefragt werden können.

» Dann können sie zusätzlich zur normalen Praxistelefonnummer eine weitere Telefonnummer einrichten, unter der Rezepte und Überweisungen anzufordern sind.

» Eine dritte Kontakt-Variante: spezielle Telefonzeiten für Befundbesprechungen.

» Und schließlich können sie Akutsprechstunden einrichten, zu denen Patienten ohne Terminvereinbarung erscheinen können. Allerdings muss dieses Angebot wöchentlich wenigstens zwei Stunden umfassen.

Nehmen Praxen an dem "Erreichbarkeitsmodell" der KV Sachsen teil und bieten sie auch alle vier zusätzlichen Möglichkeiten an, für Patienten besser erreichbar zu sein, können sie also pro Quartal jeweils zwischen 450 und 950 Euro ausgezahlt bekommen.

[30.10.2017, 14:31:16]
Dr. Christoph Luyken 
Selbstverständlichkeit!
Die Erreichbarkeit ist bei uns (NRW) zunmindest für Hausärzte zu den genannten Zeiten selbstverständlich - ohne ein Extrasalär.
Bis Ende 2011 (vor Einführung der Notfalldienstzentralen) war ich sogar im Jahresdurchschnitt 110 Stunden pro Woche rufbereit!
Was läuft da in Sachsen anders?? zum Beitrag »

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