Ärzte Zeitung online, 14.11.2017
 

Baden-Württemberg

150 Minuten mehr Beratungszeit bei Gestationsdiabetes

Schulung und Beratung bei der Versorgung von Diabetes-Patienten mit Hypoglykämie-Risiko kommen nach Meinung vieler Ärzte im EBM immer noch zu kurz. Eine Alternative kommt im Südwesten gut an.

STUTTGART. Zum Welt-Diabetestag ziehen teilnehmende Ärzte eine positive Bilanz des Diabetologievertrags in Baden-Württemberg. Der Facharztvertrag war im Juli gemeinsam von AOK Baden-Württemberg und MEDI Baden-Württemberg in Kooperation mit der Diabetologen Baden-Württemberg eG abgeschlossen worden, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von AOK und MEDI.

Dr. Erik Wizemann, Diabetologe aus Herrenberg, sieht viele Vorteile im neuen Vertrag: "Wir können uns in den Diabetespraxen nun intensiver um diejenigen Menschen kümmern, die eine besondere Betreuung benötigen. Ich kann mir eine Diabetesberaterin leisten und meinen Patientinnen und Patienten zur Verfügung stellen, ohne dass ich die Kosten für diese hochqualifizierte Mitarbeiterin im Praxisbetrieb quersubventionieren muss", betont Wizemann laut Pressemitteilung. Im September wurde zudem eine eingeschränkte Vertragserweiterung auf Hochschulambulanzen und Kinderspezialambulanzen vorgenommen, um auch dort eine Versorgung mit FGM-Geräten zu ermöglichen.

Anlässlich des diesjährigen Mottos des Weltdiabetestages "Diabetes und Frauen" betonen die Vertragspartner, dass auch Patientinnen mit Gestationsdiabetes im Facharztvertrag noch intensiver betreut werden können als in der Regelversorgung. "Im Facharztvertrag stehen für Patientinnen mit Gestationsdiabetes pro Schwangerschaft im Vergleich zur kollektivvertraglichen Versorgung 150 Minuten zusätzliche Beratungszeit zur Verfügung, die der Praxis auch entsprechend vergütet wird", erklärt Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland. Voraussichtlich ab April 2018 könnten auch Gestationsdiabetes-Patientinnen, die nicht am AOK-Facharztprogramm teilnehmen, die vertraglichen Zusatzleistungen im Rahmen eines speziellen Vertragsmoduls in Anspruch nehmen und so von einer umfassenden Betreuung profitieren.

Der Vertrag setze "bundesweit einmalige Maßstäbe in der Versorgung mit Systemen zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) und der Insulinpumpentherapie", heißt es weiter. Der Diabetologievertrag richtet sich primär an Diabetiker/innen, die eine intensivierte konventionelle Insulinbehandlung (ICT) benötigen. Hier können moderne CGM-Geräte bekanntlich Versorgung und Lebensqualität deutlich verbessern. Bei der AOK Baden-Württemberg trifft das auf rund 25.000 Versicherte zu.

Neben qualifizierten ärztlichen Erst- und Folgeschulungen sowie einer regelmäßigen intensiven Betreuung in diabetologischen Schwerpunktpraxen sind insbesondere auch der patientengerechte Bezug, die sichere Handhabung der Geräte und die Erstattung umfassend geregelt.

Außer den sogenannten Real- Time-Messgeräten (rtCGM) werden – anders als in der Regelversorgung – in dem neuen Vertrag auch die von vielen Ärzten und Patienten bevorzugten Flash Glukose Messsysteme (FGM) erstattet. Mittlerweile hätten rund 300 Diabetologen und Diabetesberater die Vertragsschulungen durchlaufen, 75 Ärzte seien zugelassen. (ger)

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