Ärzte Zeitung online, 15.12.2017

Zi

Destatis-Zahlen kein Goldstandard

Begründungszweifel gehören zu Honorarverhandlungen, wie das Klappern zum Handwerk. Auch GKV und Ärzteschaft machen sich Einkommensstatistiken gerne gegenseitig madig.

Von Christoph Winnat

BERLIN. Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Einkommen bundesdeutscher Arztpraxen liegt zwar schon einige Wochen zurück, gibt aber weiterhin Anlass zu Dissens: Der GKV-Spitzenverband hat jetzt die im August veröffentlichte Kostenstrukturerhebung aus Wiesbaden in einem Online-Artikel als "Goldstandard" betitelt. Was einmal mehr den Einspruch des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) provoziert.

Das hatte bereits anlässlich der erstmaligen Zahlenvorlage bemängelt, die Destatis-Statistik eigne sich nicht zur Grundlage für Honorarverhandlungen. Reine Privatpraxen etwa würden nicht herausgerechnet, neu gegründete Praxen und solche ohne Angestellte wären in der amtlichen Stichprobe kaum enthalten. Auch sage der auf die Kenngröße "Praxis" bezogene Reinertrag nichts aus über das einzelärztliche Einkommen. Außerdem umfassten die amtlichen Angaben nur Arztpraxen, nicht jedoch auch Psychotherapeuten-Praxen. Das Zi dagegen fasse in seiner Erhebung beides zusammen. Wodurch der Schnitt sachgerecht verwässert werde, da ja schließlich auch die Therapeuten an der ambulanten Versorgung teilnähmen.

35 Euro Netto-Stundenlohn errechnet das Zi für Praxisinhaber mit 50-Stundenwoche bei einem Reinertrag von 160.000 Euro. Das Statistische Bundesamt setzt den Reinertrag mit im Schnitt 190.000 Euro pro Praxis etwas höher an.

An die Adresse des GKV-Spitzenverbandes gerichtet, erneuerte das Zi diese Kritik jetzt. Die Destatis-Zahlen würden das Arzteinkommen "falsch hoch" darstellen. Zur Erinnerung: Das Statistische Bundesamt hatte eine Verbesserung der Praxis-Reinerträge im Zeitraum 2011 bis 2015 von 14,5 Prozent mitgeteilt, für allgemeinärztliche Praxen sogar überdurchschnittliche 21 Prozent Zuwachs. Im Schnitt kamen Arztpraxen demnach in 2015 auf 190.000 Euro Reinertrag (Einkommen vor Steuern, Krankenversicherung und Altersvorsorge).

Nach den Kriterien des Zi, also unter anderem ohne reine Privatpraxen und einschließlich Psychotherapeuten-Praxen sowie heruntergebrochen auf den einzelnen Arztsitz, wäre für 2015 ein Reinertrag pro Niedergelassenem von 161.000 Euro auszuweisen. Daraus resultiere nach Steuerabzug und Vorsorgeaufwendungen ein verfügbares Einkommen je Arzt um die 80.000Euro. Bei einer 50-Stundenwoche – wie vom Zi in einer Arztbefragung für 2014 ermittelt – ergäben sich daraus rund 35 Euro Netto-Stundenlohn. Für das Zi jedenfalls noch lange kein Grund, die vom GKV-Spitzenverband zwischen den Zeilen mitgeschleppte Botschaft zu unterschreiben, die Vertragsärzte mögen ihre Honorarforderungen jetzt doch bitte mal mäßigen.

[16.12.2017, 08:22:53]
Dr. Johannes Hupfer 
Viel zu viel!
35 Euro Netto- Stundenlohn..... doch Großverdiener, hab ichs mir doch immer gedacht, dass ich da dazugehören
muss, wenn ich die Massen an 500 Euro Scheinen in meinem Panzerschrank erblicke.
Ich schäme mich zutiefst und schlage vor diesen Stundenlohn um mindestens 50% zu reduzieren. zum Beitrag »

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