Ärzte Zeitung online, 08.01.2018

EBM-Änderungen

Das ist seit 1. Januar neu für Ärzte

Zum Jahreswechsel sind einige EBM-Änderungen in Kraft getreten. Neben einem mager gestiegenen Punktwert dürfte für Hausärzte eine neue Leistung besonders interessant sein: Die Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen.

Von Anke Thomas

Das ist seit 1. Januar neu für Ärzte

Männer ab 65 Jahren haben Anspruch auf die Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

BERLIN. Seit 1. Januar dürfen Hausärzte, aber auch Urologen, Internisten, Chirurgen und Radiologen auch ohne KV-Genehmigung ein Aufklärungsgespräch zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen abrechnen. Für die Aufklärung zum Screening steht die neue EBM-Nummer 01747 zur Verfügung, die mit 57 Punkten bzw. 6,07 Euro bewertet ist. Das Gespräch, in dem der Arzt dem Patienten Informationen zum Screening mitgeben soll, darf einmalig bei männlichen Patienten ab 65 Jahren durchgeführt werden. Hausärzte können zum Beispiel den Check-up 35 bei diesen Patienten nutzen und die GOP (Gebührenordnungsposition) 01747 neben der Gesundheitsuntersuchung GOP 01732 abrechnen, lautet ein Tipp der KBV. Das Aufklärungsgespräch geht mit 4 Minuten Prüfzeit ins Tages- und Quartalsprofil ein. Die Versicherteninformationen sollten bei den KVen erhältlich sein.

Das Ultraschall-Screening nach der neuen GOP 01748 darf hingegen nur von Hausärzten, Urologen, Internisten, Chirurgen und Radiologen abgerechnet werden, die über eine Genehmigung ihrer KV verfügen. Die fachliche Befähigung muss dabei für den Anwendungsbereich 7.1. (Abdomen, Retroperitoneum einschließlich Niere, transkutan) vorliegen.

Die GOP 01748 ist mit 148 Punkten bewertet bzw. 15,77 Euro. Abstriche müssen dann hingenommen werden, wenn der Arzt neben der 01748 eine abdominelle Sonografie nach EBM Nr. 33042 durchführt. Da sich die Leistungsinhalte beider Ziffern überschneiden, werden bei der Nr. 33042 77 Punkte abgezogen, sodass die abdominelle Sonografie statt mit 157 Punkten bzw. 16,73 Euro nur noch mit 80 Punkten bzw. 8,52 Euro vergütet wird.

Am gleichen Behandlungstag dürfen neben dem Screening nach der GOP 01748 außerdem nicht die GOP Nr. 31682 bis 31689 (postoperative Behandlung Urologie), 33040 (Sonografie-Thorax), 33043 (Uro-Genital-Sonografie) und die 33081 (Sonografie weiterer Organe oder Organteile) abgerechnet werden. Das Ultraschallscreening geht mit 5 Minuten Prüfzeit ins Tages- und Quartalsprofil ein. Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.

1,18% Erhöhung erfuhr der Orientierungswert zum Jahreswechsel. Er liegt jetzt bei 10,6543 Cent.

Weitere EBM-Änderungen betreffen die Abrechnung des Medikationsplans, die LA- und HPA-Antikörperdiagnostik und die Hörgeräteversorgung.

» Medikationsplan: Die eigenständige Abrechnung der GOP 01630 war bislang vor allen Dingen für Fachärzte ein Problem. Durch den Ausschluss der Chronikerzuschläge zur GOP 01630 im Krankheitsfall war die aktive Abrechnung der Ziffer quasi nicht möglich. Deshalb wurde bei der 01630 der Bezug zum Krankheitsfall gestrichen.

» LA- und HPA-Antikörperdiagnostik: Die LA- und HPA-Antikörperdiagnostik wurde neu gefasst, die Vergütung der neuen Leistungen erfolgt extrabudgetär. Im EBM-Abschnitt 32.3.5. gibt es die GOP 32530 (Nachweis von zytotoxischen Alloantikörpern, ggf. einschl. HLA-Spezifizierung) nicht mehr. Bestimmte Nachweise bzw. Spezifizierung von Antikörpern wurden mit den GOP 32915 bis 32918 neu in den EBM Abschnitt 32.3.15.1 aufgenommen. Labormediziner erhalten die Genehmigung zur Abrechnung der neuen Leistungen automatisch. Andere Fachgruppen sollten sich, wenn sie die Leistungen abrechnen möchten, mit ihrer KV in Verbindung setzen.

» Botoxbehandlung bei Blasenfunktionsstörungen: Gynäkologen und Urologen können seit 1. Januar Botoxbehandlungen bei bestimmten Blasenfunktionsstörungen abrechnen. Allerdings ist zur Abrechnung der Ziffern eine Genehmigung der KV erforderlich. Folgende neue Ziffern stehen im EBM Abschnitt 8.3 Gynäkologie und Abschnitt 26.3 (Urologie) zur Verfügung:

GOP 08312 bzw. 26316 – Transurethrale Therapie mit Botulinumtoxin als Zuschlag zu den GOP 08311/26310 und 26311. Die Therapie darf höchstens fünfmal je Sitzung bzw. höchstens 15 mal im Krankheitsfall angesetzt werden. Die GOP für Gynäkologen bzw. Urologen ist mit 282 Punkten bzw. 30,01 Euro bewertet. Die GOP gehen mit 10 Minuten Prüfzeit ins Tages- und Quartalsprofil ein. Die Prüfzeit ist hier jedoch eher unproblematisch, da bei Abrechnung der 08312 bzw. 26316 die Prüfzeit für Zystoskopien nach den GOP 08311 bzw. 26311 entfällt. Bei Abrechnung der GOP 26310 (Zystoskopie Mann) werden 10 Minuten Prüfzeit abgezogen.

Für die anschließende Beobachtung des Patienten nach der Therapie stehen die GOP 08313 bzw. 26317 als Zuschlag zu den oben genannten Ziffern zur Verfügung. Die Beobachtung muss mindestens 30 Minuten andauern und darf höchstens dreimal im Krankheitsfall und einmal am Behandlungstag abgerechnet werden. Die GOP sind mit 143 Punkten bewertet bzw. 15,24 Euro. Die Prüfzeit beträgt 5 Minuten (Tages- und Quartalsprofil).

Die Kosten für die eingesetzten zystoskopischen Injektionsnadeln, -kanülen oder -katheter sind mit der neuen Sachkostenpauschale GOP 40164 bzw. 45 Euro abgegolten.

Die Vergütung der neuen GOP und die im Zusammenhang damit abgerechneten Zystoskopien erfolgt extrabudgetär Die Vergütung erfolgt extrabudgetär.

» Hörgeräteversorgung: Um das Ergebnis einer Hörhilfe zu testen, hat der gemeinsame Bundesausschuss in der Hilfsmittel-Richtlinie den Freiburger Einsilbertest im Störschall vorgesehen. Da die Hörgeräteversorgung damit aufwändiger wird, wurden die GOP 09372/20372 um 25 Punkte auf 494 Punkte (52,63 Euro), die GOP 09373/20373 um 122 Punkte auf 523 Punkte (55,72 Euro) und die GOP 09374/20374 um plus 105 Punkte auf jetzt 452 Punkte (48,16 Euro) aufgewertet.

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