Ärzte Zeitung, 17.08.2011

Blickpunkt Schweiz

Blogs bei Schweizer Ärzten hoch im Kurs

Ob zu Managed Care oder Fallkostenpauschalen: Ärzte in der Schweiz schreiben über gesundheitspolitische Themen im Web.

BERN (ine). Auch in der Schweiz berichten viele Ärzte regelmäßig über sich und ihre Arbeit im Internet und kommentieren gesundheitspolitische Trends. Einige bleiben dabei lieber anonym, andere veröffentlichen unter ihrem Namen, wie Franz Engels, Psychiater und Psychotherapeut in Arbon am Bodensee. Er ist seit 2003 niedergelassen. Fünf Jahre später hat er seinen Blog begonnen.

Im "medblog.franzengels.ch" geht es ihm darum, gesundheitspolitische Dinge aus Sicht eines praktizierenden Mediziners darzustellen. Polarisierungen mag er nicht.

 Seine Blogbeiträge entstehen sporadisch und "aus dem Moment heraus". Häufig ist es das Thema Managed Care, das ihn beschäftigt. "Politiker und Medien stellen das Steuerungsinstrument als Schlüssel zu einer besseren Medizin dar, die kostengünstig und auf höchstem medizinischen Niveau ist", so Engels gegenüber der "Ärzte Zeitung".

Doch wenn Ärzte gesetzlich dazu verpflichtet werden, Budgetverantwortung zu übernehmen, dann sei dies nicht nur ein ökonomischer Ansatz, sondern verändere auch das Arzt-Patientenverhältnis. "Das Vertrauen geht verloren", sagt er. Dieses Bild gerade zu rücken, ist sein Ziel.

Um gesundheitspolitische Themen geht es auch in dem "Skalpell-Blog" des Chirurgen und Professors Urban Laffer. Er ist Chefarzt im Spitalzentrum Biel und Präsident des Verbandes der chirurgisch und invasiv tätigen Ärzte in der Schweiz.

 In seinem Blog wettert er beispielsweise gegen die Idee einer Einheitskrankenkasse und kommentiert den Vorstoß von Alex Kuprecht von der Schweizer Volkspartei (SVP). Der Politiker hatte vor einigen Monaten vorgeschlagen, die Gehälter von Ärzten zu deckeln und Hausärzte mit 70 in den Ruhestand zu schicken.

Alltagserlebnisse schildert hingegen eine Medizinstudentin in ihrem Blog "Daily medical - Mein Leben und die Medizin" (dailymedical.wordpress.com). Sie hat mit bloggen begonnen, weil sie ihren Weg zur Ärztin dokumentieren wollte.

 "Ob es nun irgendjemand liest, hat mich nicht gekümmert", erzählt sie.

Durch ihre Veröffentlichungen im Internet hat sie auch Kontakte zu anderen bloggenden Ärzten und Medizinstudenten gefunden. "Ich finde es spannend, einen Einblick in ihren Alltag zu haben." Politisch liegt ihr die Einführung der DRGs im Magen. Die Fallkostenpauschalen sollen 2012 in der Schweiz eingeführt werden.

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