Ärzte Zeitung online, 07.10.2011

Apotheker demonstrieren Einigkeit

Angesichts der wirtschaftlich prekären Situation rücken die Apotheker zusammen. Beim Apothekertag haben sich die Standesvertreter demonstrativ hinter ABDA-Chef Heinz-Günter Wolf gestellt.

DÜSSELDORF (run). "Über den Apothekern schwingt eine schwarz-gelbe Abrissbirne, die angehalten werden muss."

Mit diesem Bild umriss der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) Heinz-Günter Wolf in seinem Lagebericht auf dem Apothekertag in Düsseldorf die wirtschaftlich prekäre Situation vieler Apotheker.

Ärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser und auch Krankenkassen seien alle nach Antritt der schwarz-gelben Regierung besser gestellt worden, bei den Apothekern habe hingegen das AMNOG tiefe Einschnitte hinterlassen. Ihm fehle das Verständnis, warum diese Berufsgruppe von der Regierung immer wieder vertröstet werde.

Verbesserung der pharmazeutischen Versorgung komme zu kurz

Im Gegenteil: Es seien Zusagen und Ankündigungen nicht eingehalten worden verwies er. Auch das Versorgungsstrukturgesetz verbessere nach dem bisherigen Entwurf lediglich die medizinische Versorgung durch Ärzte.

Die Verbesserung der pharmazeutischen Versorgung komme hingegen bisher überhaupt nicht vor.

In dieser Situation komme das ABDA-KBV-Konzept gerade richtig, den hiermit werde ein stimmiges gemeinsames Versorgungskonzept durch Arzt und Apotheker vorgelegt, betonte er. Das Modell funktioniere aber nur mit allen drei Bestandteilen: dem Medikations-Management, der Wirkstoffverordnung und dem Medikations-Katalog.

Wolf fordert gerechte Honorierung

Nachdrücklich forderte Wolf zudem eine gerechte, kostendeckende Apothekenhonorierung durch eine Dynamisierung des Fixbetrags sowie eine künftige Absenkung des Kassenabschlags. Zugleich bekräftigte er das "Ja" der Standesführung zu einer Apotheke, die alles könne - so wie bisher.

Eine abgespeckte Apothekenversion "als Wellblechhütte auf der Wiese", solle es auch mit einer neuen Apothekenbetriebsordnung nicht geben. Als gemeinsame Marschroute formulierte Wolf: "Es gibt bei der Arzneimittelversorgung keine Alternative zu Qualität und Sicherheit in Apotheken."

Standing Ovations für ABDA-Chef

Mit seiner deutlichen Kritik an der Bundesregierung hat der ABDA-Chef offenbar aus der Seele der anwesenden Standesvertreter gesprochen, denn diese goutierten seine Rede am Ende mit ungewöhnlich langem und stehendem Applaus.

Gerade zuletzt hatte es auch immer wieder aus den eigenen Reihen Unmutsbekundungen über die mangelhafte Interessenvertretung der Apotheker gegenüber der Politik gegeben.

Wolf schwor daher nicht ohne Grund die Kollegen in Offizin, Krankenhaus, Wissenschaft, Kammern und Verbänden ein, künftig noch enger zusammenzustehen und gemeinsam Position zu beziehen.

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