Ärzte Zeitung, 14.08.2015

Statistisches Bundesamt

Inflation weiter auf dem Rückzug

Inflation weiter auf dem Rückzug

Sinkende Energiepreise drücken die Inflation.

© Pixelot / Fotolia

WIESBADEN. Sinkende Energiepreise haben die Inflation in Deutschland im Juli erneut gedrückt. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes lagen die Verbraucherpreise nur noch um 0,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Wiesbadener Behörde bestätigte am Donnerstag erste Schätzungen. Im Mai hatte die Inflationsrate noch bei 0,7 Prozent gelegen. Im Juni war die jährliche Teuerungsrate dann erstmals seit Januar wieder gesunken.

Währungshütern bereitet die Mini-Inflation allerdings Sorgen. Deutlich billiger wurden im Juli gegenüber dem Vorjahr leichtes Heizöl (minus 22,4 Prozent) und Sprit (minus 7,1 Prozent). Der Rückgang der Energiepreise habe sich nochmals verstärkt, erklärten die Statistiker. Ohne Energiepreise wäre die Inflationsrate mit 1,0 Prozent deutlich höher ausgefallen.

Nahrungsmittel wurden binnen Jahresfrist um 0,4 Prozent teurer. Der Preisanstieg schwächte sich damit ab, im Juni hatte er noch 1,0 Prozent betragen. Mehr als vor einem Jahr mussten Verbraucher für Nettokaltmieten zahlen (plus 1,2 Prozent). Deutliche teurer wurden auch Taxifahrten (plus 12,9 Prozent). Die Branche begründet die Preiserhöhungen mit der Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde zum Jahresbeginn.

Weniger mussten Verbraucher dagegen für sogenannte anderen Dienstleistungen zahlen. Ursache war vor allem die Einführung des Bestellerprinzips bei der Wohnungsvermittlung. Danach bekommt der Makler sein Geld von demjenigen, der ihn beauftragt hat. Das ist in der Regel der Vermieter.Gegenüber Juni stiegen die Lebenshaltungskosten insgesamt leicht um 0,2 Prozent.

Die niedrige Inflation stärkt die Kaufkraft der Verbraucher, zumal die Tarifabschlüsse in diesem Jahr deutlich über der Preissteigerungsrate liegen.

Den Währungshütern bereitet die Entwicklung dagegen Kopfzerbrechen. Die Inflation ist weit entfernt von der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB), die ein stabiles Preisniveau bei knapp unter 2,0 Prozent anstrebt. Um diesen Wert wieder zu erreichen, pumpt die EZB seit Anfang März vor allem über den Kauf von Staatsanleihen pro Monat etwa 60 Milliarden Euro in den Markt.

Die Gefahr einer Deflation - einem Verfall der Preise auf breiter Front- sehen Ökonomen derzeit aber nicht. Die schwache Inflation im Juli sei überwiegend der allerjüngsten Ölpreisschwäche geschuldet, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. "Das Auf und Ab des Ölpreises wird noch längere Zeit die Veränderung der Verbraucherpreise prägen." (dpa)

Topics
Schlagworte
Praxis & Wirtschaft (65711)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Macht Sport so glücklich wie Geld?

Wer moderat Sport treibt, ist seltener unglücklich und kann damit offenbar Gehaltseinbußen von rund 22.000 Euro jährlich emotional kompensieren, so eine US-Analyse. mehr »

Experimentelle Arznei lindert Juckreiz

Forschende der Universität Zürich haben einen neuen Ansatz entdeckt, mit dem sich Juckreiz unterdrücken lässt. In einer Studie linderten sie damit nicht nur akute, sondern auch chronische Beschwerden. mehr »

Politiker fordern nach Valsartan-Skandal mehr Kontrollen

Seit Wochen erhitzt der Valsartan-Skandal die Gemüter. Patienten fühlen sich schlecht informiert. Wie sehen Gesundheitspolitiker das Dilemma? Die "Ärzte Zeitung" hat nachgefragt. mehr »