Ärzte Zeitung online, 03.02.2014

Arzthaftung

Hodenschaden ohne finanzielle Folgen

KÖLN. Für die Schädigung der Hoden nach einer fehlerfrei durchgeführten Leistenbruchrezidivoperation kann ein Patient vom Krankenhaus keinen Schadenersatz verlangen. Das hat das Oberlandesgericht Hamm (OLG) in einem rechtskräftigen Urteil entschieden.

Ein 1965 geborener Mann war 2007 wegen eines beidseitigen Leistenhernienrezidivs operiert worden. Er litt bereits seit sechs Jahren an ausgeprägten Potenzstörungen. Nach der Operation kam es zu einer Hämatombildung und einer Schwellung im Bereich des Skrotums.

Wegen der Beschwerden war der Mann nach der Entlassung in ambulanter Behandlung. Bei einem erneuten Eingriff acht Monate später in einer anderen Klinik entfernten die Ärzte den rechten Hoden wegen einer schwartigen Verwachsung des rechten Hodens mit Hodenhüllen und Hodensack und einer kompletten älteren Nekrose. Der linke Hoden ist geschädigt.

Der Mann ist unfruchtbar und in seiner sexuellen Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt. Er verklagte die erste Klinik auf 120.000 Euro Schmerzensgeld. Das Landgericht wies die Klage zurück, auch das OLG konnte keine Haftungsansprüche erkennen.

Die Operation sei indiziert und fehlerfrei gewesen - ebenso die Nachsorge, entschieden die Richter. Entgegen der Einschätzung des Patienten sei er über die Risiken des Eingriffs ausreichend aufgeklärt worden und habe wirksam in ihn eingewilligt.

Auch dem Argument des Klägers, der eine private Zusatzversicherung hatte, die Einwilligung sei nichtig, weil er vom Ober- und nicht vom Chefarzt operiert wurde, folgte das OLG nicht. Eine nicht rechtzeitige Information über die Verhinderung des Chefarztes könne zwar als Pflichtverletzung der Geltendmachung des Honoraranspruchs entgegenstehen.

"Sie kann jedoch nicht dazu führen, dass die auch für den Stellvertreter erteilte Einwilligung betreffend den Eingriff ihre Wirksamkeit verliert", heißt es im Urteil. "Alles andere würde zu einer für die Praxis nicht hinnehmbaren erheblichen Rechtsunsicherheit führen." (iss)

Az.: 3 U 17/12

Topics
Schlagworte
Arzthaftung (384)
Recht (12339)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Warum ein Blinddarm auch nach der Op noch Ärger macht

Fälle wiederkehrender Appendizitis nach Appendektomie sind rar. Doch es sind offenbar sogar mehrere Rezidive möglich, wie ein Fall aus den USA zeigt. mehr »

CDU erwägt höhere GKV-Vergütung

Offiziell haben die Koalitionsverhandlungen zwar noch nicht begonnen. Doch: Die Union gibt bereits erste zarte Signale auf einen möglichen Kompromiss beim Ärztehonorar - inklusive einem Ende der Budgetierung. mehr »

Das sind die neuen Paul Ehrlich-Preisträger

Die Paul-Ehrlich-Stiftung ehrt dieses Jahr Forscher für ihre Arbeiten zum Tumor-Nekrose-Faktor mit ihrem mit 120.000 Euro dotierten Preis. Außerdem erkennen sie die Leistung eines Biochemikers zur Erforschung verschiedener Fettzelltypen an. mehr »