Ärzte Zeitung, 02.06.2014

Behandlungsfehler

Klinik muss Kleinwüchsiger Schmerzensgeld zahlen

OLDENBURG. Sie könnte heute zwölf Zentimeter größer sein - doch weil ihr Wachstum schon bei 1,44 Metern endete, bekommt eine 17-Jährige Schmerzensgeld von einem niedersächsischen Krankenhaus.

Das Oberlandesgericht Oldenburg verurteilte die Klinik zur Zahlung von 40.000 Euro. Das Gericht stellte fest, dass ein Klinikarzt den Kleinwuchs der damals achtjährigen Patientin nicht erkannte. Mit einer Behandlung hätte sie 1,56 Meter groß werden können.

Die Syrerin lebte damals mit ihrer Familie als Asylbewerberin in Deutschland, ihr Kinderarzt hatte sie an die Klinik im Landgerichtsbezirk Osnabrück überwiesen. In welcher Stadt genau das Krankenhaus liegt, wollte das Gericht am Freitag nicht angeben.

Die Klinik hatte vor Gericht angegeben, das Mädchen habe nicht in größerem Umfang untersucht werden können, weil das mit dem Versicherungsschein nach dem Asylbewerbergesetz nicht abrechnungsfähig gewesen wäre.

Das Gericht hielt dagegen, dass die Klinik schon aus den erhobenen Befunden die richtige Diagnose hätte ableiten können. Somit liege ein Behandlungsfehler vor. Zudem habe der Krankenhausarzt den Vater des Mädchens nicht über mögliche Therapien aufgeklärt.

Der Arzt hätte dem Gericht zufolge dem Vater zumindest sagen müssen, dass er das Mädchen aus Kostengründen nicht weiter behandeln könne. So hätte die Familie die Chance erhalten, die Behandlungskosten zum Teil privat zu finanzieren. (dpa)

Az.: 5 U 216/11

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Lebensmittelallergie kommt oft mit den Jahren

Viele Menschen glauben, sie haben eine Nahrungsmittelallergie – dabei ist das oft falsch, so Forscher. Und wer eine hat, bekommt sie häufig erst als Erwachsener. mehr »

Wenn HIV-Selbsttests falsch anschlagen

Die Packungsbeilagen etlicher HIV-Selbsttests sind fahrlässig unvollständig: Über die eher geringe Wahrscheinlichkeit, bei einem positiven Test tatsächlich infiziert zu sein, erfahren Anwender nichts. mehr »

Für eine Welt ohne Typ-1-Diabetes

Ein hohes Risiko für Typ-1-Diabetes im Kindesalter erkennen und die Krankheit verhindern, ist das Ziel von Wissenschaftlern. Eine provokante PR-Aktion wirbt für ihre Arbeit. mehr »