Ärzte Zeitung, 19.07.2016

Pilotprojekt

Flüchtlinge werden zu Pflegefachkräften

In Baden-Württemberg ermöglicht die Diakonie Flüchtlingen die Ausbildung zur Pflegefachkraft.

STUTTGART. Deutschland sieht sich nicht nur vor der Herausforderung des demografischen Wandels stehen, sondern auch vor einem Fachkräfteengpass in der Pflege. Zugleich sollen Flüchtlinge nach Möglichkeit rasch an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Im Süden startet bald ein Pilotprojekt, das beide Themen verknüpft. Zehn Flüchtlinge können im Herbst eine Ausbildung zur Pflegefachkraft bei der Diakonie beginnen. Getragen wird das Projekt vom Diakonischen Werk Württemberg, der Samariterstiftung und dem Welcome Center Sozialwirtschaft Baden-Württemberg.

Die Diakonie wolle Menschen, die in Deutschland Schutz und Heimat suchen, eine berufliche Perspektive eröffnen, verdeutlicht Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg. Gleichzeitig werde damit dem Mangel an Fachkräften in der Altenpflege begegnet. Mit dem Modellprojekt ermögliche die Diakonie in Württemberg den Flüchtlingen Sprachförderung sowie gesellschaftliche und berufliche Integration. Schon die Frage, wie Sprachbarrieren überwunden werden können, um geeignete Interessenten ausfindig zu machen, sei ein oft schwieriger Weg gewesen, so Kaufmann. Ehrenamtliche in den Arbeitskreisen Asyl hätten geeignete Kandidaten identifiziert.

Die Altersspanne der künftigen Auszubildenden reiche von Anfang 20 bis Anfang 40. Sie hätten unterschiedliche Lebenserfahrungen und Prägungen. Zum Teil hätten sie eine lange und gefährliche Flucht auf sich genommen. Sie suchten in Deutschland ein neues Leben in politischer und wirtschaftlicher Freiheit und wollen sich in einem sicheren Umfeld eine eigene Existenz aufbauen.

In einem Auswahlverfahren hätten die Flüchtlinge das Berufsbild der Altenpflegerin/des Altenpflegers kennengelernt. Alle Teilnehmer hätten in diesem Prozess das Sprachniveau A2 erworben. Drei aus diesem Kreis sogar das Niveau B2, womit sie im Herbst die reguläre dreijährige Ausbildung beginnen könnten.

Kaufmann begrüße, dass das Integrationsgesetz für Auszubildende und Ausbildungsbetriebe Rechtssicherheit schaffe. Auszubildende erhielten für die gesamte Ausbildungszeit eine Duldung. Darüber hinaus bestehe die Möglichkeit, im Ausbildungsberuf zu arbeiten. Dafür erhielten die Flüchtlinge eine Aufenthaltserlaubnis.

2015 startete die Diakonie ein Modellprojekt zur legalen Arbeitsmigration in der Altenpflege. Junge Kosovaren kommen nach Deutschland und absolvieren eine Ausbildung in einem Pflegeberuf. Das Projekt gehe im Herbst in die zweite Runde. (maw)

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