Ärzte Zeitung online, 15.02.2017

Weiterbildung / Assistenzberufe

Physiotherapeuten wollen Direktzugang zu Patienten

Die Anerkennung als Heilpraktiker bringt Physiotherapeuten mehr Optionen in der Praxisführung. Dazu gehört auch der schon lange angestrebte Direktzugang zu Patienten.

KÖLN. Um Patienten ohne ärztliches Rezept behandeln zu können, lassen sich Physiotherapeuten immer häufiger zum sektoralen Heilpraktiker fortbilden. Die Anerkennung als Heilpraktiker verschafft den Physiotherapeuten den schon lange angestrebten Direktzugang zu Patienten.

Nach einer Umfrage des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten IFK zur wirtschaftlichen Lage im Jahr 2014 hatten damals 42,5 Prozent der Mitglieder die Anerkennung als sektoraler Heilpraktiker. Im Jahr 2012 waren es erst 26,4 Prozent. 20,5 Prozent der selbstständigen Physiotherapeuten strebten die Anerkennung an.

Die nach rund 60 Unterrichtseinheiten abgelegte Prüfung gibt ihnen die Berechtigung, Patienten im Bereich der Physiotherapie heilpraktisch zu versorgen.

"Physiotherapeuten sollten nicht diesen Umweg gehen müssen, um eigenverantwortlich im Direktzugang arbeiten zu dürfen", sagt die IFK-Vorstandsvorsitzende Ute Repschläger. Der Verband setzt sich für den Direktzugang ein.

Nach der IFK-Umfrage haben Physiotherapeuten, die bis zu fünf Mitarbeiter in ihren Praxen beschäftigen, im Jahr 2014 im Durchschnitt brutto einen Gewinn von 58.905 Euro erzielt. Bei den Praxen mit bis zu drei therapeutischen Mitarbeitern betrug er lediglich 44.561 Euro. Netto verbleibt Kleinpraxen nach Angaben des IFK ein durchschnittlicher Monatsgewinn von 2140 Euro. "Die Folge ist, dass Kleinpraxen, die insbesondere für die Patientenversorgung in ländlichen Gebieten dringend benötigt werden, für selbstständige Physiotherapeuten nicht attraktiv sind", betont Repschläger.

Der Umsatz der Praxen hat sich von 2012 bis 2014 um 21,4 Prozent erhöht. Absolute Zahlen wollte der Verband nicht nennen. Die Praxisausgaben stiegen im gleichen Zeitraum um 24 Prozent. Die Personalkosten belaufen sich inzwischen auf fast 50 Prozent des Umsatzes.

Die Praxen beschäftigten 2014 inklusive Teilzeitbeschäftigte im Schnitt 5,5 Mitarbeiter, zwei Jahre zuvor waren es 4,75. Die Praxisinhaber bezifferten ihre wöchentliche Arbeitszeit mit 45,38 Stunden, 2,25 Stunden mehr als 2012.

Besonders stark gestiegen ist nach Angaben des IFK die auf Verwaltungstätigkeiten entfallende Arbeitszeit. (iss)

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