Ärzte Zeitung online, 13.10.2017
 

Freiwahl in Apotheken

Apotheker ignorieren Preiserwartung

Geht stationären Apotheken Freiwahl-Umsatz zunehmend verloren? Überrascht wären sie selbst jedenfalls nicht davon.

BAD HOMBURG. Marken-Kosmetik und -Körperpflege sind auch für Apotheken wichtige Umsatzbringer. Doch dieser Teilmarkt wird Ladenapotheken tendenziell mehr und mehr verloren gehen. Das erwarten jedenfalls laut einer aktuellen Umfrage der Bad Homburger Unternehmensberatung Sempora die Offizinbetreiber selbst. Im Schnitt rechneten die 163 befragten Apotheker damit, dass vor allem der Apothekenversandhandel hinzugewinnen wird und von heute 18 Prozent Kosmetika-Marktanteil in fünf Jahren auf 27 Prozent kommen wird.

Darüber hinaus nehmen die stationären Apotheker aber auch Drogeriemärkte und den Versandhändler Amazon als Konkurrenten um apotheken-exlusive Sortimente ernst. Die Apothekenexklusivität ist eine reine Vertriebsentscheidung des Herstellers. Anbieter, die nicht länger ausschließlich auf die Platzierung in der Freiwahl setzen, müssten mit Sanktionen rechnen, sobald sie etwa auch Drogerien belieferten, heißt es. 38 Prozent der von Sempora befragten Apotheker würden das komplette Sortiment eines abtrünnigen Herstellers aus der Freiwahl nehmen.

Für Verbraucher jedoch habe die Apothekenexklusivität von Kosmetika und Körperpflegemitteln keinerlei Bedeutung. Beispielsweise wüssten nur 39 Prozent der Konsumenten – befragt wurden auch 508 Verbraucher –, dass Produkte der Markenlinie Eucerin® nur in der Apotheke zu kaufen sind. Sempora-Beraterin Franziska Bayer: "Und es ist ihnen auch egal".

Nicht überraschend: Deutlich weniger kalt lässt die Verbraucher der Preis. 34 Prozent der Befragten halten apothekenexklusive Kosmetika für zu teuer. Gleichzeitig ermittelte Sempora wie bereits in früheren Umfragen einmal mehr eine falsche, nämlich meist zu hoch gegriffene Preiserwartung auf Kundenseite. Dagegen gaben nur 13 Prozent der befragten Apothekeninhaber die Einschätzung zu Protokoll, dass apothekenexklusive Kosmetika ihrer Kunden mehrheitlich vermutlich zu teuer seien. (cw)

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