Ärzte Zeitung online, 10.10.2019

Tagung

Bundeswehr mit eigenen Anforderungen bei Sanitätsdienst

MÜNCHEN. Ärztemangel, veränderte Erwartungen junger Ärzte, vermeintliche Überkapazitäten in Kliniken, Digitalisierung – trotz aller Herausforderungen sieht Bundestagsmitglied Erwin Rüddel (CDU) optimistisch in die Zukunft des Gesundheitswesens.

Beim Jahrestreffen des Sanitätsdienstes der Bundeswehr betonte Rüddel gegenüber Reservisten die Chancen der Veränderungen: „Es wird alles anders, aber besser.“ Der Bundesgesundheitsminister habe mit seinen Gesetzesinitiativen vieles angestoßen. Die vermehrte Nutzung von Gesundheitsapps beispielsweise könne dazu beitragen, die Zahl der Arztbesuche zu reduzieren. Als Beispiel nennt er eine Atemmaske, die nicht nur Sauerstoffmengen, sondern auch Umweltfaktoren speichere. Dies könne für eine bessere ärztliche Diagnostik verwendet werden und möglicherweise auch zu einem Rückgang der Arztbesuche führen.

Auch dem Ärztemangel könne begegnet werden. Rüddels Vision für die hausärztliche Versorgung: Gesundheitsschwestern übernähmen Hausbesuche und erfassten dort die Vitaldaten. Je nach Datenlage komme es dann erst in der Klinik zu einem Arztkontakt.

Reservisten: „Das ist doch unrealistisch!“

An dieser Stelle intervenierten die Ärzte der Reserve deutlich. „Das ist doch unrealistisch“, so ein Reservist. Schließlich seien der persönliche Kontakt und das Vertrauen für die Arzt-Patienten-Beziehung ausschlaggebend. Rüddel konterte, dass niemand daran vorbei könne, dass in den nächsten Jahren viele Ärzte in den Ruhestand gehen.

Ein weiteres großes Feld für Veränderungen sieht Rüddel in Kliniken. „Wir haben in den Ballungsräumen zu viele Betten“, so sein Urteil. Wenn ein Krankenhaus weniger als 500 Betten habe, dann würden finanzielle Zwänge Maßnahmen erforderlich machen.

Und auch in der Haltung der Patienten habe sich etwas verändert. „Die Menschen wollen für gute Versorgung hochqualifizierte Spezialisierung“, so Rüddel. Die Ärzte des Sanitätsdienstes reagieren mit Widerspruch. Es gebe auch kleinere, sehr renommierte spezialisierte Krankenhäuser, die gesucht sind. Und es könne nicht sein, dass Patienten über zunehmend weitere Transportwege bis zur Behandlung leiden müssten.

Auch im Hinblick auf die Anforderungen der Bundeswehr kritisierten die Zuhörer die Ideen Rüddels zur Krankenhausversorgung: „Wie vereinbart sich denn der Bettenabbau mit unserer Aufgabe, als Bundeswehr im Krisenfall die Versorgung der Bevölkerung zu sichern?“ hieß es. „Wenn die Betten erst abgebaut sind, können sie im Ernstfall nicht in wenigen Stunden wieder reaktiviert werden.“

Terroranschläge in Paris haben Sensibiltät für den Katastrophenfall erhöht

Rüddel räumte ein: „Nach der Wiedervereinigung Deutschlands hat man geglaubt, wir könnten in Frieden leben.“ Die Ausstattung der Bundeswehr sei in den 1990er- Jahren daraufhin heruntergefahren worden. Heute habe sich das verändert. „Wir müssen das Bewusstsein schaffen, für den Katastrophenschutz vorbereitet zu sein.“ Insbesondere die Terroranschläge im November 2015 in Paris hätten die Sensibilität erhöht. Dennoch sieht Rüddel nicht das Gesundheitssystem dafür verantwortlich.

Die Notfallbetten der Krisenintervention seien nicht von den Krankenkassen zu bezahlen, sondern aus Steuermitteln. Die Reservisten, die als Soldaten und Ärzte eine besonders intensive Sichtweise auf das Gesundheitssystem haben, zeigten sich nicht überzeugt. „Das kann man doch nicht trennen, die Krankenhäuser sind ja im Ernstfall die Stellen, die mit den Anforderungen fertig werden müssen“, merkte ein Zuhörer kritisch an. (syc)

Sanitätsdienst der Bundeswehr für Reservisten

  • Interessenten für die Reserve im Sanitätsdienst melden sich in Koblenz beim Kommando Sanitätsdienst:
  • Hotline: 02 61 / 8 96 32.444
  • E-Mail:KdoSanDstBwIX-4InfoRes@bundeswehr.org
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