Ärzte Zeitung, 11.03.2013

Kommentar

Lernen für die Praxis!

Von Helmut Laschet

Die Aus- und Weiterbildung von Ärzten gehört nicht zu den Kernkompetenzen der KBV. Dass sie sich dennoch in ihrem Positionspapier zur Gesundheitspolitik dezidiert mit konkreten Forderungen zu Wort meldet, hat eine ernste Ursache: in der Basisversorgung, vor allem in der Allgemeinmedizin schwinden die personellen Ressourcen.

Die Instrumente der Bedarfsplanung laufen leer, wenn nicht genügend junge Ärzte in die Patientenversorgung und in die allgemeinmedizinische Weiterbildung gehen. Honoraranreize verpuffen als reine Preiseffekte ohne Versorgungsrelevanz, wenn Vertragsärzte in der Praxis an ihrer Kapazitätsgrenze arbeiten.

Die Verantwortung von KBV und KVen für die Sicherstellung der Versorgung gebietet es, den eigentlich Verantwortlichen - dem Medizinischen Fakultätentag und den Ländern sowie den Ärztekammern - auf die Füße zu treten.

Lehre und Forschung finden nicht in einem zweckfreien Raum statt. Schon gar nicht in der Medizin. Erstens, weil medizinische Hochschulen erhebliche öffentliche Mittel absorbieren, und zweitens, weil sie - bei langer Ausbildungszeit - eine Verantwortung für die Brauchbarkeit der Lehrinhalte für künftig in der Patientenversorgung tätige Ärzte haben.

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KBV kritisiert Unis: Ärztliche Ausbildung nicht zeitgemäß!

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Helmut Laschet (1339)
[11.03.2013, 20:42:26]
Dr. Michael Hill 
Was ist schon ein "braver Hausarzt",
Die Suppe ist schon längst gekocht, bevor sie an der Öffentlichkeit angeboten wird.
Die Zweiteilung in der neuen EBM Reform Hausärzte in typische (=Treppendackel) und atypische (spezialisierte medizinische Maßnahmen anbietend) hat einzig und allein den Hintergrund, ein sogenanntes "Bachelor-Prinzip" einführen zu können, um die Grundversorgung auf einem Krankenschwester- Niveau mit entsprechend nach unten justierten Bezahlung zu installieren und damit den demnächst fehlenden Bedarf zu kompensieren.
Die früher installierte Weiterbildung zum "Allgemeinmediziner" mit allround Wissen und aus diesem speziell an weitere Facharztkollegen gezielt weiter zu überweisen zur Abklärung bestimmter Erkrankungen wird unterlaufen zu Gunsten einer Ruhigstellung der Bevölkerung durch pseudo-medizinische Service-Dienste wie z.B. Hausbesuchsversorgung. Dass spart Geld und kostet dem System wenig. Eine gezielte und evtl. teuere Versorgungsmaßnahme wird ausgehebelt über eine patientenfreundliche persönliche Einbringung eines Hausarztes, der wie eine Putzfrau kommt.
Lachnummer! Aber wahr! Ein frisch ausgebildeter Mediziner ist hierfür sicher nicht zu begeistern.
Für Treppendackeln und Trost zu spenden waren früher eigentlich die Gemeindeseelsorger der entsprechenden Konfessionen zuständig.
Und die haben nicht Medizin studiert!!! zum Beitrag »
[11.03.2013, 16:16:00]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Die KBV hat doch den Schuss nicht gehört!
• Wo ist die KBV-Stiftungsprofessur für hausärztliche Allgemeinmedizin(HAM)?
• Wo unterstützt die KBV Lehrstühle für HAM durch Drittmittelforschung?
• Welche Medizinische Fakultät unterhält Info- und Clearingstellen der KBV?
• Wer ist KBV-Referent und persönlicher Kontakt für die universitäre HAM?
• Wo ist das KBV-Engagement für curricular-universitäre HAM-Fortbildung?
• Welche KBV-Referate stehen für die HAM der Universitäten zur Verfügung?
• Wie fördert die KBV Kommunikation zwischen Unikliniken und HAM?
• Wo finanziert die KBV universitäre HAM-Fortbildungen für Vertragsärzte?

Seit Beginn meiner ärztlichen Tätigkeit hat die KBV die hausärztliche Allgemeinmedizin konsequent ignoriert und wegschauend ausschließlich Facharztinteressen gehuldigt. Und jetzt behaupten ausgerechnet führende Funktionäre der Vertragsärzteschaft, die ihre eigene Universität vielleicht nur noch vom Hörensagen kennen, dass sie die Ursachen für die Misere der hausärztlichen Versorgung in Deutschland ausgerechnet bei den Universitäten verorten? Gleichzeitig ätzten einschlägig bekannte Facharzt-Kollegen und auch ein Ex-Gesundheitsminister der FDP in Sonntagsreden über den Deutschen Hausärzteverband (HÄV) und die Hausarzt-zentrierte Versorgung (HzV)?

Ich habe in meiner klinischen Ausbildung an der FU Berlin das 1971/72 gerade eingeführte "bed-side-teaching" erlebt. An der MHH in Hannover wurde damals der erste Reformstudiengang Medizin eingeführt. An der "Sydney-University" habe ich interdisziplinäre, kooperative Curricula kennengelernt. Als Assistenzarzt in Herne habe ich Studenten im Rahmen des 1. Bochumer Modells der RUB betreut. In meiner Praxis waren Studenten im Zusammenhang der HAM des späteren Reformstudiengangs der RUB und der familienorientierten HAM der Universität Witten-Herdecke vertreten.

S o wird hausärztliche Versorgung praktiziert, gestützt und weiterentwickelt! N i c h t durch völlig deplatzierte Schuldzuweisungen, um von der eigenen Mitverantwortung gehörig abzulenken, liebe KBV!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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