Ärzte Zeitung, 14.05.2014

European Medical School

Uni sieht Affront des Fakultätentags

Ist die neu gegründete Medizinische Fakultät ein "Franchising-Modell"? Diesen Vorwurf werten die Uni-Verantwortlichen als haltlos - und ärgern sich, dass der Medizinische Fakultätentag die zugrunde liegende Studie weiterhin veröffentlicht.

Von Christian Beneker

Uni sieht Affront des Fakultätentags

Die Uni Oldenburg ist eine der beiden Lehrstätten der European Medical School. 80 Studenten sind dort eingeschrieben.

© Carl von Ossietzky / Uni Oldenburg

OLDENBURG. Wer gehört in den Kreis der anerkannten Ausbildungsstätten von Medizinern und wer nicht? Ein Ende 2013 erschienenes juristisches Gutachten zu den rechtlichen Anforderungen an Gründungen ärztlicher Ausbildungs- und Forschungsstätten in Deutschland hat im niedersächsischen Oldenburg hohe Wellen geschlagen.

Denn die beiden Autoren, Professor Max Emanuel Geis und Professor Kay Hailbronner, stellen Oldenburg in eine Reihe mit anderen Medical Schools in Deutschland, wie den Asklepios Campus in Hamburg oder der Kassel School of Medicine. Sie bezeichnen sie als "Franchising-Modelle", weil sie zum Beispiel mit dem Asklepios Kliniken zusammenarbeiten.

In 13 Punkten legen die Autoren dar, warum diese Ausbildungsstätten aus ihrer Sicht nicht in den Kreis der Fakultäten gehören.

So fehle unter anderem eine forschungsbasierte Lehre oder die Aufsicht durch eine Universität. Das Gutachten ist vom Medizinischen Fakultätentag (MFT) in Auftrag gegeben worden.

Nun wurde Deutschlands jüngste Medizinische Fakultät in Oldenburg 2012 eröffnet - nach langem Ringen unter anderem mit dem Medizin-ischen Fakultätentag.

Denn man hatte in Oldenburg zwischenzeitlich auch an einen Bachelor-Master-Studiengang für Medizin gedacht - ein rotes Tuch für den Fakultätentag.

Auch die Fakultäten in Göttingen und Hannover waren nicht immer glücklich über die neue Konkurrenz aus dem Norden. Kurz: Der Neugründung stand auch ein kalter Wind ins Gesicht, auch wenn in Oldenburg wohl niemand mehr die Bachelor-Master-Alternative einführen wollte.

"Sind ganz normale medizinische Fakultät"

Heute ist im Nordwesten ein Modellstudiengang in Zusammenarbeit mit der Universität Groningen entstanden. 80 Studenten sind am Start. Das Ganze endet mit einem Staatsexamen.

"Wir sind eine ganz normale medizinische Fakultät", betont denn auch Luiza Martini von der Fachschaft der Oldenburger Medizinstudenten. "Und wir sind auch im Fakultätentag vertreten."

Klar, dass es den Oldenburgern sauer aufstößt, in einem vom MFT in Auftrag gegebenen Gutachten in einem Atemzug mit der Kassel Medical School genannt zu werden.

Dazu heißt die Oldenburg-Groningen-Kooperation auch noch European Medical School (EMS) - nicht gerade ein Vorteil im Hickhack um den rechten Status.

"Wir haben dem MFT einen Protestbrief geschrieben", erklärt Dr. Bert Albers, Geschäftsführer der Medizinischen Fakultät in Oldenburg, "und wir haben eine Klarstellung gefordert."

Darauf habe der Autor Geis "sich coram publico für die Fehleinordnung Oldenburgs entschuldigt", berichtet Professor Hans-Rudolf Raab, Chefarzt am Klinikum Oldenburg, das zum neuen Uniklinikum zählt. Genützt hat es nichts.

Wer das Gutachten auf der Homepage des MFT anklickt, erfährt nach wie vor, dass die Oldenburger Fakultät ein "Franchising Modell" sei. "Ein Politikum", nennt Raab das.

"Hier wurde ein Gutachten wider besseren Wissens gemacht. Dass man es jetzt nicht ändert, ist ein Affront!" Die Kämpfe um den Neuling scheinen zumindest im MFT noch nicht ausgestanden.

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