Ärzte Zeitung, 15.02.2016

Allgemeinmedizin

Starkes Plädoyer für Pflichtquartal

Der "Masterplan Medizinstudium 2020" will die Ausbildung neu ordnen. Die DEGAM drängt verstärkt darauf, darin endlich ein Pflichtquartal "Allgemeinmedizin" zu verankern.

Von Susanne Werner

Starkes Plädoyer für Pflichtquartal

Ein Plichtquartal in der Allgemeinmedizin könnte helfen, mehr junge Mediziner für die Arbeit als Hausarzt zu motivieren.

© Alexander Raths / Fotolia.com

BERLIN. Für Allgemeinmediziner ist 2016 die Zeit reif, ihr Fach im Medizinstudium aufzuwerten. Im geplanten "Masterplan Medizinstudium 2020" sollte daher das Praxisjahr auf Quartale umgestellt und ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin festgeschrieben werden.

Dies würde gewährleisten, so Dr. Maren Ehrhardt von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM), dass die Studierenden einen "vertieften Einblick" in das Fach und in die ambulante primärärztliche Versorgung erhalten.

Auch DEGAM-Präsident Professor Ferdinand M. Gerlach fordert seit Langem, ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin einzuführen. 2016 ist für ihn ein "Schicksalsjahr". Denn aktuell arbeite eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe an der Neuordnung des Medizinstudiums.

Kompetenzzentren sollen mehr Geld bekommen

Zudem sollen mit dem Versorgungsstärkungsgesetz universitär angebundene Kompetenzzentren für Allgemeinmedizin stärker gefördert werden. "Wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen, können wir einen Durchbruch in der Nachwuchsfrage erreichen", sagte er am Freitag vor Journalisten.

Die Allgemeinmedizin sei bei den Medizinstudierenden durchaus beliebt. Laut KBV-Umfrage stuften etwa ein Drittel der Studenten das Fach als interessant ein. Und dennoch werde es in der Facharztausbildung nicht belegt: "Nur zehn Prozent wollen Generalisten werden", sagte Gerlach.

Die Folgen sind bekannt: Nur jeder zweite Hausarzt findet derzeit einen Nachfolger für seine Praxis. Um den Status quo zu behalten, müssten mindestens doppelt so viele Fachärzte für Allgemeinmedizin ausgebildet werden.

17 unterschiedliche Weiterbildungsordnungen

Um das Fach attraktiver zu machen, sei es nötig die Weiterbildung inhaltlich und strukturell anzupassen, betonte Dr. Hannah Haumann von der Jungen Allgemeinmedizin Deutschland (JADE).

Derzeit gebe es 17 unterschiedliche Weiterbildungsordnungen, die oftmals einen häufigen Stellenwechsel erforderlich machten. Medizinstudentin Dorit Abiry empfahl, über das Vorhaben auch mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden (bvmd) zu sprechen.

Sie sperrt sich bislang gegen ein Pflichtquartal Allgemeinmedizin. Die bvmd fordert vielmehr eine bundeseinheitliche Aufwandsentschädigung, eine faire Regelung zu den Fehltagen sowie eine verbesserte Lehre im PJ.

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