Ärzte Zeitung online, 12.12.2017

Cyberkriminalität

Patienten sehen Kliniken in der Pflicht bei Daten

Cyberattacken auf deutsche Gesundheitseinrichtungen alarmieren auch die Patienten. Sie fürchten um den Verlust ihrer Daten in Kliniken, wie eine Studie zeigt.

DÜSSELDORF. "Cyberkriminalität ist ein ernst zu nehmendes Problem, auch für Krankenhäuser" – dieser Aussage stimmen 84 Prozent der Deutschen zu. Das geht aus einer aktuellen, repräsentativen Bevölkerungsbefragung der Strategieberatung PwC hervor.

Das Thema Digitalisierung und Schutz vor Cyberattacken stellt für Krankenhäuser eine essenzielle Herausforderung dar. Nicht zuletzt im Hinblick auf den 25. Mai 2018. Dann endet die Übergangsfrist, bis zu der die EU-Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) in nationales Recht überführt werden muss. Diese adressiert Unternehmen in puncto Schutz personenbezogener Daten. Bei Verstößen sieht das EU-weit einheitliche Gesetz mit bis zu vier Prozent Jahresumsatz empfindliche Strafen vor, wie die Studienautoren erklären.

Dass Cyberattacken auf Kliniken kein Hirngespinst sind, zeigen die Ransomware-Angriffe auf das Lukaskrankenhaus in Neuss und das Klinikum Arnsberg im Februar vergangenen Jahres. Dementsprechend haben auch 61 Prozent der Befragten laut PwC-Studie Bedenken, dass durch Cyberangriffe auch persönliche Daten gestohlen werden könnten. Immerhin 40 Prozent haben nach eigenem Bekunden das Gefühl, dass die meisten Krankenhäuser genug tun, um sich gegen Cyberkriminalität zu schützen. Und 62 geben an, sicher zu sein, dass ihre Patientendaten in einem Krankenhaus, in dem sie behandelt würden, "in guten Händen" seien. Dennoch möchten 70 Prozent im Behandlungsfall von Krankenhausseite informiert werden, wie ihre persönlichen Daten geschützt werden.

Obwohl auch Arztpraxen potenzielles Ziel Cyberkrimineller sind, sehen die Befragten dort ihre Daten offensichtlich besser aufgehoben als in der Klinik. So stimmen 63 der Aussage zu, beim Umgang mit ihren persönlichen Patientendaten vertrauten sie ihrem Hausarzt mehr, als Ärzten in einem Krankenhaus.

Wichtigstes Instrument, um Daten vor Manipulationen oder nicht autorisierten Zugriffen zu schützen, ist laut PwC ein Informationssicherheits-Managementsystem. Dieses sei in der Lage, die Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität nicht nur geschäftskritischer, sondern auch personenbezogener Informationen zu sichern.

Wie in der Dienstags-App berichtet, sind die Deutschen, so ein weitere Ergebnis der Umfrage, sehr um das Wohl der kommunalen Kliniken besorgt, obwohl sich nur fünf Prozent dort einem Eingriff unterziehen würden, wenn dieser nach neuestem medizinischem Stand erfolgen sollte. Jeder Vierte würde einmalig einen Obolus an ein kommunales Haus in Schieflage leisten. (maw)

Weitere Ergebnisse der PwC-Studie:

www.aerztezeitung.de/949270

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Intensives Ausdauertraining bremst frühen Parkinson

Sport lohnt sich: Kommen Parkinsonkranke im frühen Stadium regelmäßig ins Schwitzen, bleiben ihre motorischen Fähigkeiten über mindestens ein halbes Jahr hinweg stabil. mehr »

Das erhöht die Organspendebereitschaft

Beauftragte an Kliniken für Transplantationen sollen von allen anderen Aufgaben entbunden werden – das verlangt die Deutsche Stiftung Organtransplantation. Neue Zahlen aus Bayern geben ihr Argumentationshilfe. mehr »

Krebsüberlebende nach Infarkt oft untertherapiert

Patienten mit Herzinfarkt, die eine Krebsdiagnose in ihrer Anamnese stehen haben, erhalten seltener eine leitliniengerechte Therapie. Das wirkt sich auch auf die Mortalität aus. mehr »