Ärzte Zeitung online, 02.11.2018

Studie

Trotz Digitalisierung mehr Jobs

Pflege- und Gesundheitsberufe zählen laut Ifo-Institut auch langfristig zu den Gewinnern am Arbeitsmarkt.

MÜNCHEN. Dass die Digitalisierung den Strukturwandel der Arbeitswelt beschleunigt, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Nach einer neuen Studie des Münchener Ifo-Instituts muss damit jedoch nicht zwangsläufig ein Beschäftigungsabbau einhergehen. Da immer mehr Beschäftigte in zukunftsträchtige Branchen wechselten, erwarte man für ganz Deutschland bis 2030 ein potenzielles Beschäftigungswachstum von 5,5 Prozent.

Bei pessimistischem Szenario seien allerdings „auch negative Arbeitsmarktfolgen denkbar“, heißt es. Das Phänomen der Arbeitsmarktpolarisierung – Servicejobs mit vergleichsweise geringem Qualifizierungsniveau nehmen ebenso zu wie Tätigkeiten mit hoher Qualifizierung – wird sich nach Ansicht der Ifo-Analysten in den kommenden Jahren noch verschärfen.

Den zahlenmäßig kräftigsten Zuwachs prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut den Pflegeberufen: 314.000 Stellen bis 2030 (+39 Prozent gegenüber 2016) seien denkbar – „begünstigt durch die demografische Entwicklung und eine geringe Automatisierbarkeit“. Auch Rechnungskaufleute und Datenverarbeitungsfachleute zählen „zu den großen Gewinnern und profitieren von der weiter fortschreitenden Digitalisierung“. Für diese Berufsgruppe werden bis zum Ende des Prognosezeitraums 208.000 zusätzliche Stellen (+25 Prozent) für möglich gehalten. Auf Platz Drei im Bundestrend setzt das Ifo „Unternehmer, Wirtschaftsprüfer und Organisatoren“ mit 243.000 neuen Stellen (+22 Prozent zu 2016).

Deutliches Beschäftigungswachstum wird darüber hinaus auch Ingenieuren, Lagerverwaltern und Transportarbeitern, den „übrigen Gesundheitsberufen“ oder Mechanikern vorhergesagt.

Auf lange Sicht auf dem absteigenden Ast befindet sich der Studie zufolge vor allem die Beschäftigung in der Finanzwirtschaft (-83.000 Stellen bis 2030, oder -16 Prozent), in der Bauwirtschaft (-71.000 Jobs oder -39 Prozent) sowie „bei anderen automatisierbaren Tätigkeiten wie Reinigung und Warenprüfung“. (cw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verursacht Kiffen Psychosen?

Wer kifft, trägt ein erhöhtes Psychoserisiko. Ob dies am Konsum von Cannabis liegt, ist aber alles andere als klar. Eine aktuelle Studie liefert immerhin neue Indizien. mehr »

Resistenzen behindern Kampf gegen TB

Tuberkulose ist in Deutschland relativ selten - ganz eliminieren lässt sich die Infektionskrankheit aber noch immer nicht. Zu schaffen machen die Resistenzen. mehr »

Bluttest auf Brustkrebs keine Revolution

Ein Bluttest auf Brustkrebs komme noch dieses Jahr auf den Markt, verkündete vor kurzem die Uniklinik Heidelberg – und erntete dafür harsche Kritik. Nun rudert sie zurück. mehr »