Ärzte Zeitung online, 27.12.2018

Timeline

Seit wann sich die Menschen für KI interessieren

Künstliche Intelligenz – das klingt für viele noch nach Zukunftsmusik und Science Fiction Filmen. Tatsächlich besteht das Interesse dafür schon seit vielen Hundert Jahren. Richtig näher kommt man der Realisierung erst seit rund 20 Jahren. Eine Zeitreise.

run04_8225420-A.jpg

Der Zahn der Zeit: Mit hohem Tempo hat sich das Forschungsfeld Künstliche Intelligenz in den letzten Jahren weiterentwickelt.

© Zerbor / stock.adobe.com

2019: KI auf Kassenkosten

Die Techniker Krankenkasse bietet ihren Versicherten eine Doc-App an, in die der KI-basierte Symptomchecker Ada Health integriert ist.

2011: Watson

In der Quizshow Jeopardy! gewinnt „Watson“, ein Computerprogramm aus dem Bereich der KI, klar gegen menschliche Mehrfachgewinner. Es wurde als Teil des DeepQA-Forschungsprojekts von IBM entwickelt und nach dem ersten Präsidenten des Unternehmens benannt. Das Programm ist angelegt, eine semantische Suchmaschine zu schaffen, die den Sinn einer in natürlicher Sprache gestellten Frage erfassen und in einer Datenbank die passenden Fakten/Antworten findet.

Einsatz in der Medizin findet Watson for Oncology, das das Fachwissen führender Onkologen Limit der Schnelligkeit von IBM Watson kombiniert, derzeit in über 200 Krankenhäusern weitweit, um bei der Suche nach der jeweils besten Therapie zu unterstützen. Allerdings gibt es auch Kritik an dem Programm, wonach z. B. 2017 der Leiter der Krebsabteilung eines Kopenhagener Krankenhauses das Experiment stoppte.

Sprachprogramme auf dem Smartphone wie Siri, Now und Cortana halten Einzug in den Alltag. Sie erkennen Sprache und reagieren darauf, in dem sie – mehr oder minder – passende Antworten und Informationen liefern.

2009: Neuronale Netze/ Deep Learning

Künstliche neuronale Netze gewinnen mehrere Wettbewerbe in den Bereichen Mustererkennung und maschinelles Lernen. Man spricht hier auch von Deep Learning. Erstmals wurden neuronale Netze in den 1940er-Jahren als Möglichkeit entwickelt.

Koryphäe im Bereich des Deep Learning und den dazugehörigen Algorithmen ist der Deutsche Informatiker Jürgen Schmidhuber. Die in seiner Arbeitsgruppe entwickelten rekurrenten neuronalen Netze (RNN) lernten in effizienter Weise manche einst unlernbare Aufgabe.

Einsatz in der Medizin: Neuronale Netze können selbstständig, anhand vorliegender Daten lernen, zum Beispiel über die Analyse von Schnittbildern, die mit Krankengeschichten gekoppelt sind.

1996: Deep Blue

Dem Schachcomputer Deep Blue, entwickelt von IBM, gelingt es, den damals amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow in einer Partie mit regulären Zeitkontrollen zu schlagen. 1997 gewinnt Deep Blue sechs Partien unter Turnierbedingungen.

1993: Roboter Polly

Polly, der erste verhaltensbasierte Roboter, wird von Ian Horswill am MIT für künstliche Intelligenz erschaffen. Mit der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit 1 m/Sek erreichte Polly jene Geschwindigkeit, mit der sich viele Tiere fortbewegen. Dank „Computer Vision“ und dem „Polly Algorithmus“ konnte sich der Roboter durch das Institut bewegen. Wurde Polly von Besuchern angesprochen, stellte er sich selber vor und lud den Besucher auf eine Tour durch das Institut ein.

1979: INTERNIST

Das Programm Internist wird der Öffentlichkeit vorgestellt. Es handelt sich um ein von Dr. Randolph A. Miller, Harry E. Pople Jr. und Dr. Jack D. Myers entwickeltes Computerprogramm für medizinische Diagnostik auf der Grundlage des klinische und medizinische Erfahrungsschatzes von Dr. Myers. Ziel war es, durch eine von dem Forscher der künstlichen Intelligenz, Harry E. Pople Jr., entwickelten Software das Know-how in der Inneren Medizin für jeden nutzbar zu machen.

1972: MYCIN

Das Expertensystem MYCIN wird zur Diagnose und Therapie von Infektionskrankheiten mit Antibiotika eingesetzt, um eine gezieltere Therapie zu erreichen. Trotz hoher Trefferquoten setzt es sich nicht durch.

1968: Science-Fiction

Stanley Kubrick dreht den Film 2001 – Odyssee im Weltraum, einen der einflussreichsten Science Fiction-Filme aller Zeiten.

Ein Raumschiff, unterwegs zum Jupiter, wird gesteuert vom Computer HAL, einer empfindungsfähigen Künstlichen Intelligenz. Als HAL die Astronauten an Bord umzubringen beginnt, wird er vom letzten Überlebenden in einem berühmten Dialog nach und nach abgeschaltet.

1966: ELIZA

Joseph Weizmann entwickelt das Computerprogramm ELIZA, das verschiedene Gesprächspartner simulieren kann. Die (oberflächliche) Simulation eines Psychotherapeuten im Gespräch mit einem Patienten erstaunt die Fachwelt.

1965: Mooresches Gesetz

Gordon Moore sagt die Verdoppelung der Leistung von Computern alle zwei Jahre voraus. Dieses Mooresche Gesetz feierte 2015 seine 50-jährige Geltungsdauer.

In dieser Zeit hat sich die Leistung von Computern um den Faktor 33.554.432 erhöht. Ein Beispiel: Ein 2010 auf den Markt gekommenes iPhone 4 verfügt über die Rechenleistung des Supercomputers Cray, der 1985 2,5 Tonnen schwer war.

1956: KI als Fachgebiet

Die Dartmouth Konferenz in Hannover, New Hampshire, gilt als die Geburtsstunde der Künstlichen Intelligenz als akademisches Fachgebiet.

Die zehn Teilnehmer an dieser zwei Monate dauernden Konferenz, die zugleich ein Forschungsprojekt war, sollten von der Annahme ausgehen, dass grundsätzlich alle Aspekte des Lernens und anderer Merkmale der Intelligenz so beschrieben werden können, dass eine Maschine zur Simulation dieser Vorgänge gebaut werden kann.

1941: Der erste Computer

Konrad Zuse, deutscher Bauingenieur, Erfinder und Unternehmer, baut den ersten funktionstüchtigen, programmgesteuerten und frei programmierbaren Rechner mit Speicher. Als Zentralrecheneinheit wird ein Telefonrelais verwendet.

1530: Der Anfang

die Schrift De natura rerum, die dem Arzt Paracelsus zugeschrieben wird, wird veröffentlicht. In ihr findet sich ein Plan für die Herstellung eines Homunculus, eines künstlich erzeugten menschenähnlichen Wesens.

Ähnliche Vorstellungen über die Möglichkeit, Lebewesen oder intelligente Automaten zu erzeugen, gab es auch bereits in der Antike.

Die jüdische Legende vom Golem und später Shelleys Roman Frankenstein spielen ebenfalls mit dem Motiv der Künstlichen Intelligenz bei von Menschen geschaffenen Lebewesen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Gut eine halbe Milliarde Euro mehr Honorar

Ärzte und Krankenkassen haben ihre Honorarverhandlungen für 2020 abgeschlossen. Künftig werden Videosprechstunden besser vergütet. mehr »

Warum KHK-Kranke ihre Arznei weglassen

Mangelnde Therapietreue ist in der Sekundärprävention der koronaren Herzkrankheit ein großes Thema. Bei jedem dritten Patienten steckt nicht nur Vergesslichkeit dahinter. mehr »

Die Tücken der Videosprechstunde

Videosprechstunden sind im Kommen, bieten aber auch Einfallstore für Hacker. Sicherheitsexperten erläutern, welche das sind und wie sich Ärzte davor schützen können. mehr »