Ärzte Zeitung, 16.06.2016
 

Digitalisierung

Sprechstunde per "Video-Schalte" 

Fernüberwachung bei Herzleiden, Kontaktlinsen, um Blutzucker zu messen - Experten stellen vor, wie digitale Anwendungen den Alltag von Patienten erleichtern können.

Sprechstunde per "Video-Schalte" 

Sprechstunde auf dem Tablet: Technik kann die Versorgung ergänzen.

© Nastco / iStock / Thinkstock

BERLIN. Dr. Thomas Aßmann, Hausarzt aus Lindlar in Nordrhein-Westfalen, will Kollegen ermutigen: Sie sollten verstärkt die moderne Kommunikationstechnik im Praxisalltag einsetzen. Anlässlich einer Podiumsdiskussion über "Digitalisierung in der medizinischen Praxis" empfiehlt Aßmann, den "Wind der Politik" zu nutzen.

Das E-Health-Gesetz werde die Entwicklung vorantreiben und sei ein "Gewinn für alle", glaubt er. Zentrales Ziel der Reform ist, eine digitale Infrastruktur in der Gesundheitsversorgung aufzubauen und den gewonnenen Daten einen sicheren Rahmen zu geben.

Menschliche Zuwendung nicht durch Technik ersetzt

Aßmann arbeitet längst digital. Ergänzend zur Sprechstunde in seiner Praxis bietet er Konsultationen per "Video-Schalte" und Tablet. Der entscheidende Punkt dabei ist, dass der Patient zu Hause dennoch nicht alleine ist: Aßmanns Assistentin Frauke von Würtz ist mit dem Auto unterwegs und checkt bei einem Hausbesuch die Gesundheit des Patienten.

Bevor sie wieder aufbricht, startet sie die Video-Konferenz mit Aßmann übers Tablet. "Wir ersetzen nicht die menschliche Zuwendung durch die Technik, sondern verknüpfen sie. Der Patient sieht mich auf dem Bildschirm und auch ich erhalte einen eigenen Eindruck davon, wie es ihm geht", berichtet Aßmann.

Einen Schritt in die Zukunft hat auch Dr. Volker Gerhard Leonhardt vom Berliner Herzschrittmacher & ICD-Zentrum gemacht. Der Kardiologe nutzt die digitale Datenübertragung, um den Gesundheitszustand von herzkranken Patienten dauerhaft zu überwachen. Ein Herzstimulator wird dazu im Brustkorb des Patienten implantiert.

Dieser ist über Elektroden mit dem Herzmuskel verbunden und überträgt fortlaufend Daten an einen zentralen Rechner. So registriert das Gerät, wenn das Herz unregelmäßig schlägt und kann - entsprechend ausgestattet - auch einen lebensrettenden Elektroschock auslösen, sollte der Pulsschlag zwischendurch aussetzen. Der Arzt kann den Patienten dann gezielt für eine Behandlung einbestellen.

Schutz vor "gläsernen Patienten"

Diabetes-Patienten könnten von neuartigen Kontaktlinsen profitieren, die die Alcon GmbH, eine Novartis-Tochter, entwickelt hat, mit denen der Blutzucker in der Tränenflüssigkeit gemessen werden kann.

Wie Dr. Simone Breitkopf berichtet, hat Alcon für die "Smart Lens technology" eine Kooperation mit Google vereinbart. Die in der Kontaktlinse eingebaute Technik kann mehr, als Daten zum Gesundheitszustand abfragen - sie speichert, was sein Träger wahrnimmt, wohin sein Blick im Alltag fällt.

Mit der digitalen Technik lassen sich zusätzliche Daten abfragen, aus Patienten könnten so gläserne Kunden werden. Die Politik ist daher gefordert, Produkte der Medizin-Technik besonders zu schützen. Norbert Paland vom Bundesgesundheitsministerium sieht daher mit dem E-Health-Gesetz die richtigen Zeichen gesetzt. (wer)

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