Ärzte Zeitung online, 27.10.2016

Digitalisierung

Gesundheitswesen läuft hinterher

In der gewerblichen Wirtschaft kommt die Digitalisierung voran – im Gesundheitswesen weiterhin kaum. Dabei bestehen viele Vorteile.

MÜNCHEN. Kein Tag ohne eine neue Wortmeldung zu den Chancen der Digitalisierung, doch den Medikationsplan gibt es einstweilen nur auf Papier, der E-Arztbrief ist über vereinzelte Pilotprojekte noch nicht hinaus, und eine flächendeckende E-Akte ist ebenso Zukunftsmusik wie das elektronische Rezept.

Wann das deutsche Gesundheitswesen im Online-Zeitalter ankommt, steht in den Sternen. Ganz anders sieht es in der gewerblichen Wirtschaft aus. Deren Digitalisierungsgrad erreicht nach Angaben des Marktforschers TNS Infratest aktuell "55 von 100 möglichen Indexpunkten".

Ganz weit vorn ist erwartungsgemäß die Informations- und Kommunikationstechnik-Branche mit 75 Punkten auf dem Bewertungsindex. Auch Wissensdienstleister (70 Punkte), die Finanz- und Versicherungswirtschaft (61) sowie der Handel (55) müssen sich in Sachen elektronischer Datenverarbeitung nicht verstecken.

 Unterdurchschittliches Gewicht auf die Waage bringen dagegen Maschinenbauindustrie (46 Punkte), chemische Industrie (45) sowie die Verkehr- und Logistikbranche.

Gesundheitsbranche nur wenig digitalisiert

Vergleichsweise gering digitalisiert sind dem im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellten TNS-Bericht ("Monitoring Report Wirtschaft Digital 2016") zufolge das Gesundheitswesen (36 Punkte) und das sonstige verarbeitende Gewerbe, das mit 35 Punkten Schlusslicht im Branchenvergleich ist.

Deprimierend: Mittelfristig wird sich nach Erwartungen der Analysten auch nicht besonders viel ändern. Bis 2021 wird dem Gesundheitswesen lediglich eine Verbesserung des Digitalisierungsgrades um magere drei auf 38 Punkte in Aussicht gestellt.

Für die Studie wurden im Juli dieses Jahres 924 Interviews mit repräsentativ ausgewählten Vertretern inländischer Unternehmen geführt.

Drei Faktoren zur Analyse herangezogen

Der Digitalisierungsgrad wird anhand dreier Fragekomplexe ermittelt: Dem Einfluss der Digitalisierung auf den Geschäftserfolg, der Ausrichtung unternehmensinterner Prozesse und Arbeitsabläufe auf die Digitalisierung sowie der Nutzungsintensität digitaler Geräte und Dienste für geschäftliche Zwecke.

Zusammenfassend heißt es, dass bereits 43 Prozent der gewerblichen Unternehmen "mehr als 60 Prozent ihres Umsatzes digital" erwirtschaften.

Als größte Hemmnisse für den Ausbau digitaler Anwendungen nannten die Befragten die Unterversorgung mit Breitband (40 Prozent), den Investitionsbedarf (38 Prozent) oder den Zeitaufwand für die Implementierung (32 Prozent). Lediglich ein Viertel beklagte Erschwernisse durch den Datenschutz. (cw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »