Ärzte Zeitung, 31.10.2016
 

Start-up

EKG-Gerät in Armband für Apple Watch

BERLIN. Ein Start-up mit einem ehemaligen Top-Manager von Google an der Spitze hat ein EKG-Messgerät in einem Armband für Apples Computer-Uhr Apple Watch untergebracht. Damit könne mit medizinischer Qualität Vorhofflimmern erkannt werden, erläuterte der Chef des Anbieters AliveCor, Vic Gundotra, zum Marktstart des "Kardia Band" in Europa am Freitag. Das Gerät, das im Armband steckt, ist etwa Fingernagel-groß.

Der Herzrhythmus wird beim Auflegen des Fingers auf die Oberfläche gemessen. Die weit verbreiteten optischen Herzfrequenz-Sensoren, die in der Apple Watch selbst oder in einigen Fitness-Armbändern stecken, könnten zwar den Plus messen, aber nicht den Rhythmus, sagte Gundotra. Die Software seines Start-ups analysiere auch sofort die Daten und zeige auf der Apple-Uhr an, ob der Rhythmus normal sei.

"Das war ein großer Teil der Herausforderung, dafür ein Programm zu entwickeln, das so verlässlich ist, dass es eine medizinische Zulassung bekommt."In der Software-Analyse der Daten liege die Zukunft, zeigte sich Gundotra überzeugt. So sei festgestellt worden, dass aus dem Herzrhythmus ohne Bluttests Informationen zum Kalium-Pegel gewonnen werden könnten. Das werde gerade mit Ärzten der amerikanischen Mayo Clinic erforscht.

"Das Projekt wird noch ein Jahr brauchen - aber es ist schon klar, dass Maschinen in EKG-Daten mehr Dinge erkennen können als Ärzte."Das Messgerät verzichtet - auch um die Laufzeit zu verlängern - auf Bluetooth-Funk und übermittelt die Daten an die Uhr stattdessen über Hochfrequenz-Töne, die vom Mikrofon der Apple Watch erfasst werden.

Die EKG-Daten, in denen die Software ein Problem findet, können mit Notizen an den Arzt übermittelt werden. Gundotra, der in seiner Zeit bei Google unter anderem für die Karten und das soziale Netzwerk Google+ zuständig war, räumte ein, dass es zunächst eine Herausforderung sein könnte, eine breite Schicht an Medizinern für den Einsatz der neuen Technik zu gewinnen. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Vom Sinn und Unsinn medikamentöser Arthrose-Therapien

Arthrosebeschwerden sind weit verbreitet und nur begrenzt medikamentös behandelbar. Ein Update zur Evidenzlage medikamentöser Therapien wurde nun präsentiert. mehr »

"Gelegenheits-Chirurgie ist nicht akzeptabel"

Die Risiken, direkt im Zusammenhang mit einer Op im Krankenhaus zu sterben, sind in Häusern mit geringen Fallzahlen höher als in spezialisierten Kliniken. mehr »

Diesen Effekt haben Walnüsse auf Lipide

Die Lipidsenkung durch den täglichen Verzehr von Walnüssen stellt sich offenbar unabhängig davon ein, ob man dabei auf Kohlenhydrate oder Fette oder auf beides verzichtet. mehr »