Ärzte Zeitung, 04.01.2017
 

E-Health

Zweifel am Erfolg des E-Arztbrief

Ein zertifizierter Praxis-EDV-Anbieter sieht die E-Arztbrief-Vergütung als große Akzeptanzhürde. Wird sie doch noch angehoben?

Zweifel am Erfolg des E-Arztbrief

Streit um die Vergütung des E-Arztbriefes.

© PashaIgnatov / iStock/ Thinkstock

DÜREN. Seit Jahresbeginn erhalten Vertragsärzte für den Versand und Erhalt eines elektronischen Arztbriefes insgesamt 55 Cent. Die finanzielle Förderung fußt auf dem E-Health-Gesetz.

Da sowohl Sender als auch Empfänger in die technische Infrastruktur investieren müssen, um Arztbriefe elektronisch übermitteln zu können, wird die Förderung von 55 Cent pro Brief laut KBV zwischen beiden aufgeteilt: 28 Cent erhalten Ärzte für den Versand eines E-Arztbriefes (GOP 86900), 27 Cent für den Empfang (GOP 86901).

Zurückhaltung bei Anbieter

Skeptisch über die Erfolgsaussichten des E-Arztbriefes angesichts der Vergütungsregelung zeigt sich Dr. Erich Gehlen, Vorstandsvorsitzender des Praxisverwaltungssystem-Anbieters Duria.

"Praxistauglich wird der E-Arztbrief nach E-Health-Gesetz allerdings nur dann, wenn er von vielen Niedergelassenen und von vielen PVS-Herstellern unterstützt wird", so Gehlen.

Viele Hersteller würden die Zertifizierung von der Nachfrage ihrer Kunden abhängig machen, so Gehlen, dessen Unternehmen sowie erst weitere 36 Anbieter die Zertifizierung durchlaufen haben.

Viele Ärzte kritisieren, dass sie massiv in die Praxisinfrastruktur investieren müssen, um den E-Arztbrief gesetzeskonform versenden zu können. Der versendende Arzt benötigt zusätzlich einen elektronischen Heilberufsausweis (eHBA), für den er eine monatliche Gebühr bezahlt.

Mindestens 200 E-Arztbriefe monatlich?

Berechnungen ergaben, dass Praxen mindestens 200 elektronische Arztbriefe pro Monat verschicken müssen, damit sich die Investitionen tragen. Hintergrund ist, dass Vertragsärzte für den datenschutzrechtlichen Versand des Arztbriefes via Fax nach wie vor 55 Cent erhalten.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Katja Leikert, Berichterstatterin der CDU/CSU-Fraktion für Telematik, erteilte einer weiteren Förderung bereits im Oktober 2016 in Frankfurt eine Absage: "Die Anschubfinanzierung muss reichen. Andere Freiberufler müssen ihre Investitionen auch aus eigener Tasche finanzieren." (maw)

[04.01.2017, 13:00:57]
Henning Fischer 
wie sagte einst Herr Nuhr: wenn man keine Ahnung hat....

ein Faxgerät braucht man so wie so und kann es auch für Arztbriefe verwenden.

Wir haben ein ISDN-Faxmodem: alle Dokumente können aus Windows/AIS heraus als Fax "gedruckt" werden, alle eingehenden Faxe können sofort als PDF ins AIS übernommen werden.

Wozu brauche ich E-Arztbriefe ?????  zum Beitrag »
[04.01.2017, 12:17:13]
Ludek Neklapil 
Big Business
Monatliche fixe Kosten für die Zertifikate, Safenetzugang, Softwareupdates - die Lizens zum Gelddrucken für die beteiligten Firmen!
Warum vergeben die Kammern die originären Aufgaben wie Arztausweis an Fremdfirmen ? Faulheit oder System? Kosten ca 50-60 eu/Monat = 200 Briefe / Monat für eine schwarze Null?! Schreibe max. die Hälfte/Mo.
Faxversand ist in der Telefon-Flatrate mitdrin, solange der Faxserver und Telefonanlage funktioniert - gibt´s nichts Neues.
Faxversand ist nicht datenschutzrechtlich problematisch - ist eine Punkt zu Punkt verbindung, und somit sicher, kann man nicht einfach so "abfangen / abhören". Email to Fax ist sicher kritisch. LG  zum Beitrag »
[04.01.2017, 09:32:43]
Christof Rheinert 
so wird das nichts!
solange der (datenschutzrechtlich sicher problematische) Faxversand doppelt so viel Honorar bringt ohne Zusatzkosten wie der eArztbriefversand mit höherem Aufwand wird sich diese Kommunikation nicht durchsetzen, egal was Frau Leikert von der CDU erzählt (echte Freberufler investieren aus eigener Tasche in Gewinnbringer und nicht in solche Verlustbringer). Also entweder vernünftig fördern oder für alle verbindlich vorschreiben, aber die aktuelle halbherzige Lösung bringt niemandem etwas! zum Beitrag »

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