Ärzte Zeitung online, 08.05.2017

Paris

Geldsegen für Digital Health

Frankreich setzt auf die digitale Karte und investiert Milliarden in vernetzte Gesundheitslösungen.

PARIS. Die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine hat vor Kurzem die Einführung von zwei neuen Förderprogrammen zur weiteren Digitalisierung der Gesundheitseinrichtungen bekannt gegeben – "e-parcours" und "e-Hôp 2.0". Diese Initiativen werden nach Ministeriumsangaben insgesamt mit 550 Millionen Euro über fünf Jahre gefördert und sind als Fortsetzung der abgelaufenen Programme "Territoire de soins numériques" und "Hôpital numérique" zu verstehen.

Das "e-parcours"-Programm ziele auf die Verbesserung der Patientenbetreuung und die Erleichterung des Austauschs zwischen Gesundheitsfachleuten ab. Digitale Lösungen, die im Rahmen des Programms "Territoire de soins numériques" getestet wurden, werden demnach Experten in ganz Frankreich bis 2021 angeboten. Das Programm wird zwischen 2017 und 2021 über die regionalen Gesundheitsagenturen (ARS) mit 150 Millionen Euro finanziert, davon 20 Millionen bereits 2017.

Mit dem "e-Hôp 2.0"-Programm sollen die Informationssysteme der Gesundheitseinrichtungen entwickelt werden. In Fortführung des Programms "Hôpital numérique" wird diese neue Initiative die Entwicklung von digitalen Lösungen zur Erleichterung des Kontakts zwischen den Einrichtungen und ihren Partnern und Patienten finanziell unterstützen. Insgesamt werden 400 Millionen Euro bis 2021 investiert.

Wie Marisol Touraine im Rahmen der letztjährigen Paris Health Week verdeutlichte, plant die französische Regierung ab diesem Jahr bis einschließlich 2021 insgesamt zwei Milliarden Euro in den Gesundheitssektor zu investieren.

Frankreich will ein führender Standort in puncto Innovationen bleiben. Die Gesundheit ist dabei nur ein Vehikel, auf das Paris setzt. So präsentierte Gesundheitsministerin Touraine im Juli vergangenen Jahres die nationale Strategie E-Health 2020 ("Stratégie nationale e-santé 2020"). Dieser Plan zielt unter anderem darauf ab, die Akteure des Gesundheitswesens im digitalen Wandel zu begleiten, und baut dabei auf Innovation (wir berichteten). Ein Schwerpunkt der französischen E-Health-Strategie ist die Entwicklung der digitalen Medizin durch den Plan "Big Data im Bereich Gesundheit". So könnten beispielsweise neue Monitoringsysteme oder Verfahren zur Auswertung der medizinischen Daten und zur Diagnosehilfe zur Anwendung kommen, heißt es.

Des Weiteren sollen Ko-Innovationen zwischen medizinischen Fachkräften, Bürgern und wirtschaftlichen Akteuren durch E-Health-Ausschreibungen und die Entwicklung von Living Labs gefördert werden, um zusammen mit den Nutzern an der Medizin der Zukunft zu arbeiten.(maw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »