Ärzte Zeitung online, 13.06.2017
 

Digitalisierung

Merkel betont Chance für mehr Teamwork

Durch digitale Kommunikation die Zusammenarbeit stärken, Patientendaten zwischen den Sektoren austauschen: Auf dem Digitalgipfel betonte Kanzlerin Angela Merkel die Bedeutung von E-Health für die sektorenübergreifende Versorgung.

Von Jana Kötter

Merkel betont Chance für mehr Teamwork

Die Digitalisierung bietet neue Möglichkeiten für Kooperationen zwischen den Akteuren im Gesundheitswesen. Das betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Digitalgipfel.

© Jana Kötter

LUDWIGSHAFEN. Die Digitalisierung kann die sektorenübergreifende Zusammenarbeit im Gesundheitswesen verstärken: Sie bietet neue Möglichkeiten für Kooperationen zwischen den Akteuren und liefert darüber hinaus Chancen für den einfachen Datenaustausch. Das betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag bei ihrem Besuch des Digitalgipfels der Bundesregierung. Dabei bezog sie neben Ärzten explizit auch Apotheker, Pflegekräfte und Kliniken ein.

In Ludwigshafen betonte Merkel auch, dass Digitalisierung nicht nur die Transformation bereits etablierter Prozesse bedeuten dürfe. "Gleichzeitig müssen auch neue Anwendungen entwickelt werden", sagte sie mit Blick auf Industrie und Abläufe. Die Datensparsamkeit sei dabei ein wichtiger Grundsatz, der jedoch die Entwicklung und Chancen nicht bremsen dürfe.

Bei ihrem Besuch hatte Merkel deutliches Lob im Gepäck. "Ich habe heute gesehen, wie sehr der digitale Alltag in der Medizin bereits Einzug gehalten hat", so die Kanzlerin. So besichtigte sie unter anderem das Exponat eines intelligenten Operationssaals: Im Forschungs-Op des Innovationszentrums für computerassistierte Chirurgie (ICCAS) der Uniklinik Leipzig sind alle Geräte miteinander vernetzt, kommunizieren untereinander und unterstützen so die Chirurgen bei der Arbeit.

Ein weiteres System, über das sich das Angela Merkel (CDU) am Dienstag auf dem Digitalgipfel intensiv informierte war "Thalea". Dieses System der Telemedizin könne Leben retten, erklärt ihr der Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin in Aachen, Gernot Marx. Die Hilfe von zugeschalteten Experten könne die Sterblichkeit von Patienten mit einer Sepsis um mehr als 25 Prozent verringern.

In der Live-Schaltung zeigt der Professor, wie die auf der Intensivstation in Jülich erfassten Patientendaten ausgewertet werden. "Pro Stunde fallen für einen Patienten 1000 Daten an", erklärt Marx, der auch Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin ist. "Es ist unmöglich, das alles in einem Krankenhaus vor Ort im Blick zu haben."

Auch mit dem System "Thalea" – derzeit ein Pilotprojekt – können Experten der Uniklinik in Aachen ihren Kollegen in anderen Krankenhäusern zur Seite stehen. "Wir sind über 24 Stunden jede Sekunde bei dem Patienten."

Wenn das System bundesweit ausgerollt werde, gebe es auch neue Möglichkeiten, um Therapien effizienter zu gestalten, so Marx. Bei jährlich mehr als zwei Millionen Patienten auf Intensivstationen gebe es Unmengen von anfallenden Daten, die gezielt und anonymisiert ausgewertet werden könnten. "Dann können wir etwa bei einer Blutvergiftung sagen, ob ein bestimmtes Medikament wirkt oder nicht", sagt Marx im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Aber dafür brauchen wir eine klare gesetzliche Grundlage."

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