Ärzte Zeitung online, 27.10.2017

KBV zu E-Health

"Wir brauchen keine Behörde"

KBV-Vorstand Dr. Thomas Kriedel wendet sich strikt gegen Bestrebungen, die Digitalisierung in der Kassenmedizin einer Behörde zu überlassen. Damit widerspricht er dem AOK-Bundesverband.

Kriedel: "Wir brauchen keine Behörde"

"Wir sind schnell in den Entscheidungsstrukturen geworden", sagt KBV-Vorstand Dr. Thomas Kriedel. (Archivbild)

© Stepanie Pilick / Springer Medizin Verlag

BERLIN. Kommt die Digitalisierung im Gesundheitswesen deshalb nicht voran, weil die gematik als Betreibergesellschaft der Telematikinfrastruktur nicht effizient genug arbeitet? "Nein", sagt Dr. Thomas Kriedel, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Er sieht deshalb auch keinen Grund, anstelle der von der Selbstverwaltung – also Krankenkassen und Leistungserbringern – geführten gematik eine Behörde einzusetzen, ähnlich der Netzagentur für die Stromversorgung. Dies hatte jüngst Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbands gefordert.

"Wir brauchen das nicht", erklärte Kriedel, der die KBV in der gematik als Gesellschafter vertritt, in einem Video-Interview auf der KBV-Website. "Es erstaunt mich, dass der Chef einer großen Kassenorganisation nach dem Staat ruft. Das ist kein gutes Signal. Offenbar traut er – zumindest seiner eigenen – Selbstverwaltung nicht viel zu. Ich bin da selbstbewusster", so Kriedel weiter.

"Wir sind schnell geworden"

Die gematik habe es inzwischen geschafft, dass im nächsten Jahr eine bundeseinheitliche und interoperable Infrastruktur für die Vernetzung der Leistungserbringer zur Verfügung stehe. "Wir hoffen, dass bis Ende nächsten Jahres die Geräte für den Anschluss ausgerollt sind", sagte Kriedel weiter.

Im nächsten Jahr solle auch die Entwicklung der ersten medizinischen Anwendungen starten, "zum Beispiel Notfalldatensatz oder elektronischer Medikationsplan". Dann könnten das ökonomische und das medizinische Potenzial der Telematikinfrastruktur in die Versorgung gebracht werden.

Die gematik habe mittlerweile "gar keinen Anteil mehr" an den Verzögerungen bei der Einführung der TI, so Kriedel weiter. Die Entscheidungsstrukturen seien mittlerweile effizient, "wir sind da schnell geworden", so Kriedel. Zu Verzögerungen komme es jetzt vor allem aufgrund der hohen Regelungsdichte: Vorgaben des Gesetzgebers, Beschlüsse der Selbstverwaltung und Vorgaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

EU-Standards reichen

Auch in der Industrie "würden wir uns schnellere Prozesse wünschen", sagte Kriedel. "Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine Behörde das schneller machen will".

Zu überlegen sei, schlägt Kriedel vor, die Sicherheitsstandards, die in der EU gelten, "auch in Deutschland eins zu eins umzusetzen", um die Regelungsdichte etwas zu reduzieren und dadurch zu einer Beschleunigung zu kommen. (ger)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Streit unter gematik-Gesellschaftern

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