Ärzte Zeitung online, 07.11.2017
 

Repräsentative Befragung

Deutsche an elektronischer Gesundheitsakte interessiert

Die Mehrheit der Deutschen steht der elektronischen Gesundheitsakte grundsätzlich positiv gegenüber, so eine aktuelle Studie. Wichtig sind aber Praktikabilität und einfache Nutzung der Daten.

Deutsche an elektronischer Gesundheitsakte interessiert

Eine aktuelle Umfrage zur elektronischen Gesundheitskarte zeigt, dass bisher nur sehr wenige Menschen in Deutschland überhaupt eine elektronische Gesundheitsakte nutzen.

© 2017 Splendid Research GmbH

HANNOVER. Einer Umfrage zufolge ist die Mehrheit der Deutschen grundsätzlich bereit, eine elektronische Gesundheitsakte anzulegen: 56 Prozent der Bundesbürger sind an einer Nutzung interessiert, nur zehn Prozent schließen die Zusammenführung ihrer Gesundheitsdaten in elektronischer Form aus. Das verbleibende Drittel ist unentschlossen und muss Vor- und Nachteile erst noch abwägen.

Das Marktforschungsinstitut Splendid Research hat für diese Daten in einer repräsentativen Umfrage im August 2017 insgesamt 1023 Deutsche zwischen 18 und 69 Jahren online zum Thema elektronische Gesundheitsakte befragt. Untersucht wurden dabei u. a. das Gesundheitsverhalten, allgemeine Einstellungen zum Datenschutz sowie Akzeptanz, Bedenken und Erwartungen gegenüber der Einführung elektronischer Gesundheitsakten, wie das Unternehmen berichtet.

Wichtig: Leichte, schnelle Nutzung der Daten

Im Hinblick auf Funktionsumfang und Einbindung der im Gesundheitssystem beteiligten Akteure haben die Bundesbürger offenbar klare Vorstellungen: Ganz oben in der Gunst der Befragten standen laut Umfrage Funktionen, die den Nutzern eine Zeit- und Aufwandsersparnis versprechen, wie eine Notfalldatenfunktion und der elektronische Impfpass. Gleichzeitig erwarten 60 Prozent, dass eine automatisierte Übertragung der Gesundheits- und Behandlungsdaten möglich sein sollte sowie die flächendeckende Einbindung von Ärzten, Krankenkassen und Apotheken.

Die Mehrheit der Befragten attestierte der elektronischen Gesundheitsakte auch einen möglichen positiven Einfluss auf Behandlungsverlauf und Gesundheitsverhalten, wie das Marktforschungsinstitut berichtet. Zwei Drittel der Befragten erwarten demnach generell einen positiven Einfluss auf ärztliche Behandlungen. Drei von vier Personen hätten zudem angegeben, die elektronische Gesundheitsakte könne im Notfall den behandelnden Ärzten wertvolle Informationen bereitstellen. Immerhin noch die Hälfte erhoffe sich zudem eine Erhöhung der Behandlungssicherheit durch die umfassende Verfügbarkeit medizinischer Informationen.

Außerdem sieht laut Umfrage die Hälfte der Deutschen durch die elektronische Gesundheitsakte das eigene Gesundheitsverhalten positiv unterstützt. 45 Prozent fühlen sich dadurch besser in der Lage, mit Ihrem Arzt über Beschwerden und Erkrankungen zu sprechen.

Sorge vor Missbrauch durch Kriminelle

Gefragt nach den Sorgen und Befürchtungen in Bezug auf die elektronische Gesundheitsakte sahen wiederum sechs von zehn der Befragten die Gefahr des gläsernen Bürgers als auch das Potenzial des Missbrauchs durch Kriminelle. Acht von zehn Personen gaben zudem an, zu jeder Zeit die Kontrolle über den Inhalt der gespeicherten Daten besitzen zu wollen.

Studienleiter Thilo Kampffmeyer sieht es daher als eine Hauptaufgabe bei der Umsetzung einer elektronischen Gesundheitsakte, eine automatisierte, von allen Beteiligten einfach zu verwendende Plattform zu schaffen und gleichzeitig den Schutz der gespeicherten Daten glaubhaft zu vermitteln. (run)

[11.11.2017, 16:00:11]
Dr. Klaus Günterberg 
Völlig unwissenschaftlich! Eine Online-Befragung kann nicht repräsentativ für alle Bundesbürger sein
Da hat man in einer „repräsentativen“ Umfrage im August 2017 insgesamt 1023 Deutsche zwischen 18 und 69 Jahren online zum Thema elektronische Gesundheitsakte befragt. Danach seien 56 Prozent der Bundesbürger an einer Nutzung interessiert.

Es waren doch wohl 56 Prozent der Befragten! Man kann doch wohl nicht von einer Online-Befragung auf alle Bundesbürger schließen! Was ist mit den Alten, Kranken und Behinderten unter uns und mit den Bürgern über 69? Die können oder wollen vielleicht gar nicht mit dieser elektronischen Technik umgehen, die sind vielleicht gar nicht an einer elektronischen Akte interessiert. Dieser Teil unser Mitbürger wurde von der Befragung einfach ausgeschlossen! Eine solche Befragung kann also nicht repräsentativ für alle Bundesbürger sein.

Wir kennen das Sprichwort: „Wess brot ich ess, dess lied ich sing.“, aus der Zeit der Minnesänger. Wer war eigentlich der Auftraggeber für diese Studie?

Lassen Sie mich zusammenfassen: Die Studie ist, trotz der Vokabel „repräsentativ“ ganz offensichtlich völlig unwissenschaftlich. Sie gehört, wie die meiste Werbung, am besten in die Ablage P (P wie Papierkorb).

Dr. Günterberg
Gynäkologe. Berlin
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