Ärzte Zeitung online, 16.04.2019

Digitale Innovationen

Smarte Patienten als Triebfeder

Patienten werden zunehmend zum disruptiven Treiber der Digitalisierung im Gesundheitswesen, so eine aktuelle Analyse.

Smarte Patienten als Triebfeder

Triebfeder: Der Benutzer wagt beim Digitalen den Sprung, während die Politik oft hinterherläuft.

© Mego-studio / stock.adobe.com

DÜSSELDORF. Der smarte Patient treibt die Digitalisierung im Gesundheitswesen zusehends voran – die Disruption geht also immer mehr vom Verbraucher aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Untersuchung der Strategieberatung Deloitte im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes.

Wer in nahezu allen Belangen des Lebens zum Smartphone greife, tue dies auch, wenn es um seine Gesundheit geht, heißt es. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Fitness und medizinischer Indikation zunehmend, so die Studienautoren.

Inzwischen gibt es demnach knapp elf Millionen digitale Endgeräte in Deutschland allein im Medizin- und Gesundheitsbereich. Was heute noch als Wearable am Arm sitze, könne schon bald als implantierter Sensor für essenzielle Patientendaten sorgen. Sie ließen eine Verbesserung der Versorgungsqualität und Effizienz erwarten ebenso wie Vorteile etwa in Hinblick auf Prävention, Diagnostik und Therapie samt Monitoring.

Wie in der Studie klar unterschieden wird, richten sich digitale Angebote aus dem Verbraucher-Segment (B2C) an gesunde Konsumenten und fokussieren sich auf eine bewusstere und präventive Lebensweise.

Aus dem B2C-Bereich heraus seien aber Angebote auch mit konkretem medizinischem Nutzen für Patienten (B2P) entstanden. Letztere hätten in den vergangenen Jahren verstärkt an Bedeutung gewonnen und rückten in den Mittelpunkt. Inzwischen seien gerade B2P-Angebote wesentliche Treiber der Digitalisierung im Gesundheitsmarkt, insbesondere für datengestützte Lösungen, heißt es.

Das Angebot wird digitaler

Insgesamt gliedern sich die bestehenden B2P-Angebote laut Studie in fünf Bereiche. Das größte Segment seien Angebote im Bereich der Therapiebegleitung. Einige davon seien bereits in den ersten Gesundheitsmarkt durch Selektivverträge integriert.

Absehbar werde das Angebot digitaler, therapiebegleitender Lösungen weiter steigen. Digitale Anwendungen zum Krankheitsmanagement – insbesondere eines Diabetes mellitus – seien ein weiterer Schwerpunkt.

Das Internet sei bereits der wichtigste Gesundheitsratgeber, wobei die Angebote zum größten Teil nicht reguliert und nicht qualitätsgeprüft seien. Noch deutlich kleiner ist laut Studie das Segment Prävention/Monitoring. Solche Angebote fänden sich zumeist im zweiten Gesundheitsmarkt.

Lösungen im fünften Segment des Screenings und der Diagnostik seien in Deutschland noch eher gering ausgeprägt, sowohl quantitativ als auch in der Maturität der Angebote. Mittlerweile seien aber erste innovative Lösungen zur KI-basierten Entscheidungsunterstützung für Patienten verfügbar. (maw)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Analoger Digital-Hype

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Klinikärzte und Kommunen einigen sich

17:07 Die Tarifverhandlungen für Ärzte an kommunalen Kliniken sind beendet, eine Einigung ist erzielt. Der Marburger Bund konnte viele Kernforderungen durchsetzen. mehr »

Die Regulierung und ihre Nebenwirkungen

Bei der Digitalisierung ist die Selbstverwaltung lange auf der Stelle getreten. Am Ende musste der Gesetzgeber ran. Doch hilft eine Regulierung wirklich weiter? mehr »

„Ärzte mit KI werden die ohne KI ersetzen“

Daten retten Leben – das war eine der zentralen Aussagen von Professor Roland Eils bei der Eröffnung des Hauptstadtkongresses. Im Video-Interview erklärt der Leiter der Health Data Science Unit des Universitätsklinikums Heidelberg, warum zuviel Datenschutz auch Leben gefährdet. mehr »