Ärzte Zeitung, 14.04.2008

Lohnt sich die Anschaffung eines neuen Kartenterminals? dürfte sich kaum lohnen

Ärzte brauchen bald Lesegeräte für die Gesundheitskarte

BERLIN (gvg). Für den bundesweiten Rollout der elektronischen Gesundheitskarten (eGK) gibt es jetzt einen ersten detaillierten Zeitplan. Unsicherheit herrscht allerdings noch bei den Kartenlesegeräten.

Wie Gilbert Mohr von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein auf dem Kongress conhIT 2008 in Berlin erläuterte, wird der Rollout der für die eGK nötigen Kartenlesegeräte aller Voraussicht nach im dritten Quartal im Bezirk Nordrhein starten. Im vierten Quartal wären Westfalen-Lippe, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Bremen an der Reihe. Alle anderen KV-Bezirke kommen dann im ersten Halbjahr 2009 dran. Die elektronischen Gesundheitskarten folgen jeweils zwei Quartale später.

Die Frage, die sich für niedergelassene Ärzte somit bald stellen wird, ist die nach den Lesegeräten, für die die Krankenkassen eine Pauschale in noch nicht festgelegter Höhe zahlen werden. Rainer Czmok von dem Unternehmen Celectronic erläuterte in Berlin die beiden Optionen: Klassische Multifunktionskartenterminals können die Versichertendaten der elektronischen Gesundheitskarte lesen, müssen aber ausgetauscht werden, sobald elektronische Rezepte und weitere Funktionen kommen. Alternativ soll es "E-Health BCS"-Terminals geben, die nicht ausgetauscht werden müssen, sondern nur ein Software-Update benötigen, damit die elektronische Gesundheitskarte der Patienten genutzt werden kann.

Für alle, die bisher kein Multifunktionskartenterminal besitzen, klingt das zunächst einmal attraktiv: "Das Problem an diesem Ansatz ist, dass damit neue Technologien beim Übergang auf die Telematikinfrastruktur praktisch ausgeschlossen werden", so Czmok.

Er denkt dabei zum Beispiel an die so genannte Komfortsignatur, bei der elektronische Unterschriften biometrisch oder per Funkchip erfolgen sollen. Es bestehe die Gefahr, dass BCS-Terminals, die zu früh gekauft würden, später dann trotz eines Software-Updates veraltet seien und beispielsweise die Komfortsignatur nicht oder nur unvollkommen beherrschten, sagte er.

Er empfiehlt den niedergelassenen Ärzten deswegen, beim anstehenden eGK-Rollout auf die vertrauten Multifunktionskartenterminals zu setzen, bis die Anforderungen an die endgültigen Lesegeräte für die eGK, die dann "E-Health-Terminals" heißen werden, definitiv geklärt sind.

Unklar ist noch, was mit der Kassenpauschale geschieht

"Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Multifunktionskartenterminals die bessere Option", erläuterte Czmok. Wer schon ein solches Terminal hat, für den gibt ohnehin keinen Grund, ein BCS-Terminal zu erwerben. Unklar ist bisher noch, was in dieser Situation mit der Pauschale von den Krankenkassen geschieht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »