Ärzte Zeitung online, 30.09.2009

Kassen: Ärzte sollen bei Gesundheitskarte mitziehen

BERLIN (dpa). Zum Start der elektronischen Gesundheitskarte am 1. Oktober haben die Krankenkassen die Ärzte zur Kooperation aufgefordert. "Wir erwarten von den Ärzten, dass sie sich konstruktiv und aktiv an der Einführung der neuen Gesundheitskarte beteiligen", sagte der Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung, Florian Lanz, am Mittwoch in Berlin.

Vom 1. Oktober an geben die Kassen in der Region Nordrhein die neuen Chipkarten aus (wir berichteten). Bis Ende September hatte erst etwas mehr als ein Drittel der rund 15 000 Praxen in der Pilotregion das Lesegerät installiert.

"Online-Kommunikation ist die Kommunikation des 21. Jahrhunderts - das muss auch das Ziel des Gesundheitswesens sein", sagte Lanz. Bei Ärzten und Zahnärzten ist die Gesundheitskarte stark umstritten. Die Mediziner befürchten etwa Datenschutzprobleme bei der künftig geplanten elektronischen Speicherung von Krankenakten und Arztbriefen auf Servern. Lanz betonte, der Bundesdatenschutzbeauftragte sei eng in die Entwicklung der Karte eingebunden gewesen. "Wir gehen davon aus, dass die Daten sicher sind."

Von den neun Millionen Versicherten der Pilotregion sollen bis Ende des Jahres mindestens 100 000 die elektronische Gesundheitskarte bekommen. Schrittweise soll die Karte bis Ende 2010 bundesweit eingeführt werden und die bisherige Versichertenkarte ersetzen. Ihre geplanten Funktionen soll die Karte erst nach und nach erhalten. Am Ende sollen so Reibungsverluste zwischen Praxen, Kliniken und Apotheken vermindert und Doppeluntersuchungen vermieden werden.

Wann die Karte mit allen Funktionen startet, ist aber auch sechs Jahre nach dem Beschluss des IT-Großprojekts offen. Die Ärztekammer verlangt wegen des Widerstands in den eigenen Reihen, dass es den Ärzten überlassen bleibt, ob sie Patientendaten online verschicken. Während die Kosten der Karte ursprünglich mit rund einer Milliarde Euro angegeben wurden, gehen Schätzungen mittlerweile von einem weit höheren einstelligen Milliardenbetrag aus.

Bei den Lesegeräten für die Karte im Rheinland könnte es in den kommenden Wochen zu einem Boom kommen, weil die Kassen noch bis Ende Oktober hierfür Pauschalen zahlen. Die Hersteller bemühen sich mit Informationsveranstaltungen, die Mediziner von der Technik zu überzeugen.

Einen Hintergrund zum Start der eGK finden Sie hier.

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