Ärzte Zeitung online, 23.12.2009

AOK-Chef Jacobs: Onlinefähige E-Card voraussichtlich bis Mitte 2010

DÜSSELDORF (dpa). Die Verteilung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in der Testregion Nordrhein läuft nur schleppend an. Bis Ende des Jahres will die AOK Rheinland als größte Krankenkasse der Region bis zu 5000 Karten an Versicherte ausgegeben haben. Bis Ende Februar sollen es dann 20 000 sein, sagte der Vorstandschef der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs, der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Gesamtziel aller Kassen im Gebiet Nordrhein sind 100 000 Karten bis Anfang März." Das Testgebiet Nordrhein hat insgesamt rund neun Millionen Versicherte.

Bei der bundesweiten Einführung der Gesundheitskarte werde die "Schrittfolge" wahrscheinlich etwas langsamer, "um noch einige Dinge zu klären", räumte Jacobs ein. Das Milliarden-IT-Projekt hat bereits mehrere Rückschläge hinter sich (wir berichteten). Nach einem Gespräch der Kassenchefs mit Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) im Dezember habe sich bei ihm "der Eindruck verstärkt, dass der Minister die elektronische Gesundheitskarte begrüßt", sagte Jacobs. Die CDU/CSU/FDP-Koalition hatte bei den Kassen für Verunsicherung gesorgt, weil sie das Projekt prüfen will.

In der ersten Version sind auf der neuen E-Card neben dem Foto des Versicherten und Auslandskrankenschein nur Stammdaten des Patienten gespeichert. In Zukunft soll auf der Karte aber auch Rezepte und Krankenakten elektronisch gespeichert werden, die online abgerufen werden können.

Wann es die elektronische Akte geben wird, ist aber noch unklar. Jacobs warnte vor neuen Verzögerungen. "Ich glaube, dass die Online-Fähigkeit bis Mitte 2010 hergestellt sein kann", sagte er. "Dass es da noch mal knirscht, ist normal. Aber das darf nicht dazu führen, dass mit dieser Karte nicht gestartet wird." Vor allem bei Ärzten gibt es Sicherheitsbedenken gegen die elektronische Speicherung sensibler Krankendaten.

Nach Einschätzung Jacobs‘ wird der Patient schon vor der Online-Anbindung von der Gesundheitskarte profitieren. So könne der Arzt in der Praxis wichtige Notfalldaten auf der Karte speichern. Die elektronische Gesundheitskarte sei ein "vernünftiger Einstieg in die Telemedizin". Dabei sei die spätere Online-Anbindung aber Bedingung. Die derzeitigen erweiterten Fähigkeiten der Karte mit Foto, Auslandskrankenschein und Notfalldaten reichten nicht aus, um die flächendeckende Einführung ökonomisch sinnvoll zu begründen.

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