Ärzte Zeitung, 13.04.2010

Kassenchefs sehen keine Zukunft mehr für die E-Card

Verzögerung und Widerstände der Ärzte lassen es nach Ansicht von Kassenchefs immer unwahrscheinlicher werden, dass die E-Card in ihrer jetzigen Form kommt.

MÜNCHEN (mn). Der Chef der AOK Bayern Dr. Helmut Platzer hat sich skeptisch über die Zukunft der elektronischen Gesundheitskarte geäußert. Im Nachrichtensender B5 des Bayerischen Rundfunks sagte er, er verspreche sich zwar einige Vorteile von der Karte, vor allem einen effizienteren Datenfluss. Die Einführung habe sich jedoch so lange verzögert, dass Platzer wenig Zukunftschancen für die elektronische Gesundheitskarte sieht. "Ich glaube nicht, dass die elektronische Gesundheitskarte - in der Konzeption wie sie im Augenblick auf dem Tisch liegt - noch tatsächlich eine Zukunft hat", so Platzer. Gründe dafür sieht er im Widerstand von Teilen der Ärzteschaft. Die Transparenz, die durch die Karte an vielen Stellen im Gesundheitswesen entstehen würde, sei nicht gewollt, sagte der AOK Chef dem Bayerischen Rundfunk.

Auch DAK-Chef Dr. Herbert Rebscher sieht das Projekt in einer Sackgasse. Alles zu lassen, wie es ist, wäre aber fatal, meint Rebscher. Beispielsweise Arzneimittelrezepte auf Papier auszustellen: "Das sind groteske, fehlerhafte und anarchische Abläufe", so Rebscher zu B5.

Der Branchenverband BITKOM warnt gleichzeitig vor einer Beendigung des Projekts elektronische Gesundheitskarte. Bedenken beispielsweise über den Datenschutz seien längst entkräftet, so der Verband. Nach Angaben des Verbandes haben Unternehmen bisher schon fast 400 Millionen Euro in das Projekt E-Card investiert.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »