Ärzte Zeitung, 21.06.2010

Freie Ärzte bleiben beim Protest gegen die neue Karte

BITKOM hofft auf gute Vergütungsregelung für Ärzte

BERLIN (iss/ger). Auf unterschiedliche Reaktionen ist der Beschluss des Bundestages gestoßen, den Online-Stammdatenabgleich über die elektronische Gesundheitskarte (eGK) gesetzlich festzuschreiben.

Freie Ärzte bleiben beim Protest gegen die neue Karte

Der Online-Stammdatenabgleich über die eGK kommt. Das ruft geteilte Reaktionen hervor.

© Siemens Pressebild

Auch nach der Verabschiedung des verpflichtenden Online-Abgleichs will die Freie Ärzteschaft die elektronische Gesundheitskarte weiter bekämpfen. Die Freie Ärzteschaft werde die Öffentlichkeitsarbeit zum Thema fortsetzen, sagt Präsident Martin Grauduszus. Geplant seien eine Neuauflage der Unterschriftenaktion gegen die eGK und die Information der Versicherten, auch über Möglichkeiten des zivilen Ungehorsams. "Man muss ja kein Foto an die Kasse schicken", so Grauduszus. Statt auf die Bedenken von Ärzten und Bürgern zu hören, habe sich die Politik von einer profitorientierten IT-Industrie das Handeln diktieren lassen.

Der Herstellerverband BITKOM begrüßt dagegen ausdrücklich die Entscheidung: "Mit der gesetzlichen Regelung ist endlich Planungssicherheit bei der elektronischen Gesundheitskarte erreicht worden", sagte eGK-Experte Dr. Pablo Mentzinis vom BITKOM. Der nächste wichtige Schritt sei jetzt eine bundesweite Vergütungsregelung für die neuen Kartenleser. Hierbei müsse ein tragfähiger Kompromiss erreicht werden, "der den Interessen der Ärzteschaft gerecht wird", so Mentzinis. In der KV Nordrhein sei der Rollout von stationären und mobilen Kartenlesern ein großer Erfolg gewesen. An diesen Erfolg gelte es jetzt, anzuknüpfen und so "die Grundlage für eine nachhaltige Modernisierung im Gesundheitssytem" zu schaffen.

[21.06.2010, 21:20:02]
Dr. Timo Spanholtz 
Die Never-Ending Story der eGK
Liebe Leser,

wie lange diskutiert nun die Ärzteschaft durch ihre Vertreter über das Thema der eGK. Natürlich gibt es Vorbehalte gegen die online-Anbindung und den Versichertenstammdatenabgleich in der Arztpraxis - aber sind wir mal ehrlich: die Ärzteschaft sollte versuchen, sich möglichst konstruktiv an der Debatte zu beteiligen und die eGK dahin zu lenken, wo sie über 50% der Hausärzte nachweislich haben wollen: Notfalldatensatz und Stammdatensatz bei Stammdatenerfassung und -abgleich durch die Krankenkassen. Eine fundamentale Ablehnung wird einzig und alleine dazu führen, dass die Bundesregierung die Karte so durchsetzt wie sie es für richtig hält - und dies zu Ungunsten der Ärzteschaft. Eine Aufforderung zum "zivilen Ungehorsam" ist der konstruktiven Beteiligung an der Debatte in jeder Hinsicht unterlegen und wird einem politisch-aktiven Akademikerstatus in keiner Weise gerecht.  zum Beitrag »

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