Ärzte Zeitung, 17.12.2014
 

E-Card und Datenschutz

Jüngere sind meist viel unbefangener

Die Diskussion um Datenschutzaspekte der elektronischen Gesundheitskarte ist auch eine Altersfrage. Die Generation Internet geht damit heute schon unbefangener um - aber auch leichtsinniger.

Von Christian Beneker

Jüngere sind meist viel unbefangener

Mal eben schnell Vitaldaten via App überprüfen lassen – gerade für die junge Generation ist das immer mehr Alltag. Der Datenschutz rückt dabei in den Hintergrund.

© alexey_boldin / fotilia.com

HANNOVER. Während landauf landab immer noch um die elektronische Gesundheitskarte (eGK) gestritten wird, wird die Entwicklung der Karte quasi rechts überholt.

Das sagte Dr. Thomas Königsmann, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST in Dortmund auf der jüngsten Tagung des Aktionsforums Gesundheitsinformationssystem (afgis) e.V. in Hannover.

Naive "Digital Natives"

 Die Entwicklung der eGK werde von pragmatischen Lösungen durch Apple oder Google  konterkariert. Denn die Digital Natives stellen heute schon ganz freimütig ihre Daten in Gesundheitsakten der beiden Unternehmen ein.

"Da geht es nicht nur um harmlose Schrittzähler, sondern es gibt zum Beispiel auch eine EKG-Anwendung inklusive einer kleinen Auswertungssoftware", berichtete Königsmann.

"Klar, dass sich die Ärzte dieser meist jungen Leute darauf einstellen müssen, dass ihre Patienten mit den Ergebnissen auf sie zukommen werden."

Hier werde die "Freiwilligkeit zum Bumerang, meint Königsmann. "Wenn Google mir verspricht, dass ich mit deren App Herz-Rhythmus-Störungen erkennen kann, machen viele das. Auch wenn sie damit ihre Daten beim Anbieter parken müssen.

Darin sehe ich tatsächlich ein Problem." In gewisser Hinsicht habe man mit der teilweise berechtigten Kritik an der elektronischen Gesundheitskarte angesichts der Angebote von Google und Co "das Gute gewollt und das Schlechte erreicht", so Königsmann weiter.

"Denn was die Hersteller mit den Daten eigentlich machen, wissen wir nicht." Bei Apple und Google diskutiere niemand über Sicherheitsprobleme, sagt der IT-Experte. "Das sind in dieser Hinsicht closed shops."

 Die Gesundheitskarte arbeite indes nach dem gegenwärtigen Stand der Technik, so Königsmann, auch was die Sicherheit der Daten anbelange. "Nach dem Zwei-Faktor-Prinzip müssen sich das Wissen um die Codenummer und der Besitz der Karte verbinden, um Zugang zu erhalten", erläuterte er.

Zudem seien ein zertifizierter Kartenleser und eben auch der elektronische Heilberufeausweis samt PIN des Arztes notwendig.  Königsmann: "Ein klassischer, standardisierter Ansatz." Trotzdem müsse man auch hier alles infrage stellen. "Ab wann bin ich sicher, dass alles sicher ist?"

Der Umstand, dass die Patienten volle Verfügungsfreiheit über ihre Daten innerhalb des Systems der eGK erhalten, habe für die Ärzte auch seine Schattenseiten, so Königsmann. "Nämlich dann, wenn die Daten modifiziert werden und nicht mehr verlässlich sind."

Divergierende Interessen

Hier stoße das Patienteninteresse, womöglich seine eigenen Daten zu verändern, auf das ärztliche Interesse, Gesundheitsdaten untereinander auszutauschen.

"Um das Schutzbedürfnis und den Bedarf der Ärzte gleichermaßen zu berücksichtigen, braucht man zum Beispiel Fallakten. Zwar muss auch hier der Patient zustimmen aber dann können die Ärzte die Daten untereinander austauschen."

[19.12.2014, 19:09:21]
Dr. Wolfgang Bensch 
Digital Naive waren die Parlamentarier der rot-grünen Koalition
die im zweiten Durchgang dieser Koalition nicht nur die AGENDA 2010 im März 2003 verabschiedeten, sondern auch das "Leuchtturmprojekt" Gesundheitskarte mit Veränderungen im SGB V starteten - natürlich mit der Aussicht auf enorme Kosteneinsparungen ... Alternativen? - natürlich keine ...
Wird es nun Zeit für die "AGENDA Angela" in ihrer dritten Legislaturperiode? zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Überlebensvorteil bei Übergewicht nur ein Trugschluss?

Übergewicht ist ein kardiovaskulärer Risikofaktor, doch wer schon eine entsprechende Erkrankung hat, lebt länger. Stimmt dieses "Adipositas-Paradox" vielleicht gar nicht? mehr »

Oh, Britannia! Was hat der "Brexismus" aus dir gemacht?

Von wegen Tea Time, Queen und Linksverkehr: Nicht nur der Blick der Briten auf die EU hat sich geändert. Umgekehrt blicken auch Menschen weit außerhalb Europas inzwischen mit Unverständnis auf die Insel. mehr »

Sechs Kassen auf der Kippe – Barmer-Chef fordert Reformen

Dramatischer Zwischenruf: Das wirtschaftliche Gefüge der GKV sei instabil, sagt Barmer Chef Straub. Rund ein halbes Dutzend großer Kassen würden nur noch von der guten Konjunktur getragen. mehr »