Ärzte Zeitung online, 25.04.2017
 

conhIT-Eröffnung

Patientenakte wird zum Herzstück der Digitalisierung

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe will bei der Digitalisierung weiter aufs Tempo drücken. Die elektronische Patientenakte wird dabei zum Motor der Vernetzung.

Von Rebekka Höhl

Patientenakte wird zum Herzstück der Digitalisierung

Auf der Health-IT-Messe conhIT in Berlin machten Vertreter von CDU, SPD, Grünen und FDP deutlich, dass sie in der elektronischen Patientenakte das Herzstück der Vernetzung sehen.

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BERLIN. Egal, wie die Bundestagswahl ausfällt – es wird keine Zäsur bei der Digitalisierung der Medizin geben. Auf der Health-IT-Messe conhIT in Berlin machten Vertreter von CDU, SPD, Grünen und FDP deutlich, dass alle vier Parteien in der elektronischen Patientenakte das Herzstück der Vernetzung sehen, das nach der Bundestagswahl weiter verfolgt werden wird.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, Schirmherr der conhIT, zeigte sich bei der Eröffnung am Dienstagmittag zufrieden und fordernd zugleich: "Wir haben in dieser Legislaturperiode viel getan, um die Digitalisierung voranzutreiben." Aber die Arbeit sei "noch lange nicht getan".

Die Versorgungsrealität mit einer älter werdenden Bevölkerung, zunehmend multimorbiden Patienten und dem Versprechen, den Bürgern in Stadt und auf dem Land eine gute Gesundheitsversorgung zu bieten, verlange, dass man bei Innovationen nicht sorgenbewusst auf der Bremse stehe, sondern unter Berücksichtigung medizinisch-ethische und datenschutzrechtlicher Gesichtspunkten "aufs Tempo drückt".

Dabei müsse allerdings der Nutzen für den Patienten herausgearbeitet werden. "Es geht nicht um das Backoffice der Krankenkassen", sagte er mit Blick auf die Telematikinfrastruktur. Hier hofft Gröhe auf die nächsten Anwendungen wie das Notfalldatenmanagement, das zumindest kürzlich im ersten Testlauf – allerdings noch ohne Gesundheitskarte – gut abgeschnitten hat (wir berichteten).

Der Königsweg ist auch für Gröhe die elektronische Patientenakte. Damit endlich "Schluss damit ist", dass Patienten "Befunde in braunen Umschlägen von Arzt zu Arzt tragen", und unnötige Doppeluntersuchungen mit all ihren zusätzlichen Risiken stattfinden, so Gröhe.

Vor allem Bündns 90/Die Grünen und SPD wollen mit der Akte den Patienten mehr in den Mittelpunkt stellen. "Es wird höchste Zeit, dass wir den Patienten zum Taktgeber der Digitalisierung machen", sagte Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink (Bündnis 90/ Die Grünen).

Eine staatliche E-Patientenakte lehnen alle vier Parteien ab. Vielmehr solle die Industrie im Wettbewerb die beste technische Lösung für die E-Akte erarbeiten. Es sei ebenso möglich, dass mehrere Akten miteinander konkurrieren. Es müssten aber einheitliche Rahmenbedingungen definiert werden, stellte Bundestagsmitglied Dirk Heidenblut (SPD) klar. So müsse der Zugang zu den Daten ebenso geregelt werden, wie die Frage, welchen Informations- und Anwendungs-Anspruch die Akte den Patienten geben soll. "Wichtig ist, dass die Akten interoperabel sind", brachte es Oliver Schenk vom Bundesgesundheitsminsterium auf den Punkt.

Auch Gröhe sieht mit dem im E-Health-Gesetz bereits vermerkten Patientenfach eine Chance, die Souveränität der Patienten über ihre Gesundheit zu stärken.

Der Gesundheitsminister ist überzeugt, dass auch die PKV sich künftig an der Telematikinfrastruktur beteiligen wird. Gröhe: "Wenn die PS erst auf der Straße sind, macht auch die PKV wieder mit." Riesenpotenzial sieht er in den Gesundheits-Apps. Hier müsse man allerdings die Grundprinzipien des Solidarprinzips – also "sicher, wirtschaftlich und nutzenbringend" – mit der Innovationskraft und Schnelligkeit der Industrie zusammenbringen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Digitalisierung: Turbo für die Telemedizin

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