Ärzte Zeitung online, 27.10.2017
 

Gematik

Streit unter Gesellschaftern

Kommentar von Hauke Gerlof

Rums, das saß! Eine echte Breitseite hat KBV-Vorstand Dr. Thomas Kriedel am Donnerstagnachmittag gegen den AOK-Bundesverbandsvorsitzenden Martin Litsch gefeuert. Kriedel wirft sich für die gematik in die Bresche, die eigentlich gemeinsam von Ärzten, Zahnärzten, Apothekern und Krankenkassen geführt wird. Es geht um die Frage, ob die gemeinsame Infrastruktur für die Vernetzung besser von einer Art Netzagentur oder von der gematik als Gesellschaft der Selbstverwaltung geführt wird. Eine zusätzliche Behörde sei "kein gutes Signal", sagt Kriedel jetzt.

Hier prallen kurz vor Beginn der Jamaika-Sondierungen zur Gesundheit gegensätzliche Interessen aufeinander. Die KBV setzt auf einen Erfolg der gematik mit der Telematikinfrastruktur (TI), die Kriedel kurz vor dem Ziel wähnt. Die AOK – und andere Kassen – versuchen, an der gematik vorbei eine eigene Gesundheitsakte zu entwickeln.

Ob die Betreibergesellschaft der TI mittlerweile, wie behauptet, tatsächlich ein Muster an Effizienz ist, darf nach all den Pleiten, Pech und Pannen in den vergangenen Jahren mit Fug und Recht bezweifelt werden. Nur wenn noch in diesem Herbst die ersten Konnektoren in die Praxen kommen und funktionieren, hat die Gesellschaft noch eine echte Chance.

Lesen Sie dazu auch:
KBV zu E-Health: "Wir brauchen keine Behörde"

[30.10.2017, 10:48:24]
Michael Odinius 
Gematik
Als Pilotpraxis arbeiten wir seit März 2017 mit den neuen Karten. Ich habe die Zusammenarbeit zwischen Gematik, KV(SH) und unserem Praxissoftwareanbieter TurboMed als sehr engagiert, ambitioniert und angenehm erlebt. Technisch bereiten nach einigen Kinderkrankheiten weder Karten noch Connector wirklich relevante Probleme. Gelegentlicher zusätzlicher Aufwand wird durch den automatisierten Datenabgleich bei weitem kompensiert, wohingegen die Kommunikation zwischen Kassen und Patienten bzgl. der neuen Karten defizitär zu sein scheint.
Viele Probleme ließen sich in der Vergangenheit nur unkompliziert lösen weil, die Beteiligten seit vielen Jahren zusammenarbeiten und über das spezifische Know How der Praxissoftware, Praxisinfrastruktur und technischen Besonderheiten in meiner Praxis Kenntnis hatten. Ich frage mich, warum nach diesem langen Vorlauf mit einer jetzt endlich hier im Praxisalltag offensichtlich gut funktionierenden Lösung, das Rad nochmal neu erfunden werden soll. Vielleicht mögen damit Vorteile verbunden sein. Stand jetzt sind sie diese für mich weder für Patienten noch Praxen erkennbar, wohingegen die Nachteile und Risiken einer neun Lösung mit Anbietern, die womöglich keine Erfahrung mit den Besonderheiten von Arztpraxen haben offensichtlich sind.
Mein Fazit: Wir sind zufrieden. Gematik läuft. Zügig umsetzen. Auf etablierte, erfahrene Partner setzen. Keine weiteren kostspieligen Entwicklungsversuche zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »