Ärzte Zeitung online, 15.12.2017

Praxisausweis und Arztausweis

"Eine höhere Datensicherheit bekommen Sie nirgendwo"

Die Arbeit mit Praxisausweis und Arztausweis wird so manchen Prozess in der Praxis beschleunigen. Welche Anwendungen vorstellbar sind, etwa im Geschäftsverkehr mit Banken, und mit welchen Kosten Ärzte rechnen müssen, erläutern die medisign-Geschäftsführer im Interview.

Von Hauke Gerlof

Ärzte Zeitung: Der Startschuss für die Telematikinfrastruktur ist gefallen, wann bringen Sie eigene Komponenten dafür auf den Markt?

Peter Schlögell: Der Prozess der Zulassung bei der Betreibergesellschaft gematik und beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik BSI war extrem zäh, auch wegen immer wieder geänderter Zertifizierungsanforderungen. Wir haben den Zulassungsantrag im Frühjahr dieses Jahres gestellt! Aber Anfang 2018 sollten wir die Zulassung haben.

Armin Flender: Wir glauben, dass sich der Anschluss der Ärzte an die Telematikinfrastruktur (TI) noch etwas länger hinziehen wird als bis Ende 2018, trotz der Sanktionsandrohung von einem Prozent Honorarabzug. Bei einer Umfrage unter unseren Kunden bei S3 Praxiscomputer hat sich ergeben, dass etwa jeder Vierte starten wollte, sobald die TI verfügbar ist. Jeder Fünfte würde im dritten Quartal, 13 Prozent erst im vierten Quartal 2018 starten wollen. Und 42 Prozent warten ab, weil sie sich bislang noch nicht ausreichend informiert fühlen. Insofern wären wir mit unserer Karte im ersten Quartal ganz gut dabei. Über das Deutsche Gesundheitsnetz hoffen wir dann, im zweiten Quartal mit einem TI-Starterpaket an den Markt zu gehen, inklusive Konnektor.Übrigens: sieben Prozent der Teilnehmer an der Umfrage haben noch überhaupt kein Internet in der Praxis.

Wie viel Geld müssen die Ärzte denn für den Praxisausweis (SMC-B), der für den Stammdatenabgleich Voraussetzung ist, monatlich einplanen? Und was kostet dann der Arztausweis noch obendrauf?

Schlögell: Wir bieten die SMC-B auf jeden Fall so an, dass den Praxen keinerlei Zusatzkosten entstehen, der Förderbetrag für den Anschluss an die TI von 23,25 Euro im Quartal wird ausreichen.

Flender: Wichtig ist auch, dass die Karte nicht nur mit fünf Jahren Laufzeit versehen wird. Für Ärzte ist Flexibilität entscheidend, weil sich durch Kooperationen leicht etwas ändert. Und wenn eine Praxis eine neue Betriebsstättennummer BSNR bekommt, dann wird eine neue Karte fällig.

... und der E-Arztausweis?

Schlögell: Der Arztausweis wird zur Hälfte gefördert, sodass Ärzte mit maximal 11,60 Euro im Quartal rechnen müssen. Das ist zum Beispiel weniger als ein Berufskraftfahrer für seine Identifikationskarte zahlen muss. Wir glauben aber auch, dass die Kosten nicht entscheidend sind für den eHBA. Viel wichtiger ist es, dass mit der Signaturkarte Prozesse in der Praxis beschleunigt und dadurch Praxiskosten reduziert werden. Die apoBank beispielsweise überlegt auch bereits, wie die Karte in Zukunft in den Geschäftsprozessen zwischen Kunden und Bank eingesetzt werden kann, um die Anwendungen noch sicherer und einfacher zu machen.

Gerade die Datensicherheit der TI und ihrer Komponenten wird immer wieder von Kritikern angezweifelt. Wie steht es denn tatsächlich um die Sicherheit der Karten?

Flender: Eine höhere Datensicherheit als mit der Telematikinfrastruktur können Sie nicht bekommen. Dafür dient ja der ganze Milliardenaufwand mit der Zertifizierung bei gematik und BSI, mit abgesichertem Transportweg und so weiter und so fort. Aber natürlich muss jeder Anwender in der TI auch darauf achten, dass die Sicherheitsanforderungen individuell eingehalten werden, etwa dass die genutzte Software, Virenscanner und Firewall immer aktualisiert werden.

Sind die Ärzte technisch vorbereitet auf die Telematikinfrastruktur?

Flender: Die Entwicklung bei der Ausstattung der Praxen spielt uns eigentlich in die Hände, sieht man von den Ärzten ganz ohne Internet einmal ab. Windows XP ist endgültig abgekündigt, auch im Medizintechnik-Komplex, seit Sommer dieses Jahres. Windows 7 ist bereits TI-fähig, da mache ich mir eher weniger Sorgen. Ein Problem in manchen Praxen könnte sein, dass der Kartenleser jetzt über Netzwerkkabel angeschlossen wird. Es könnte sein, dass in einem Hub oder Switch in der Praxis dann ein freier Steckplatz für das Kabel fehlt. Da muss vielleicht der eine oder andere aufrüsten. Mit einer Tastatur mit integriertem Kartenleser lässt sich das aber umgehen.

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