Ärzte Zeitung, 28.01.2009

Kommentar

Um die Kamera geht es gar nicht

Von Philipp Grätzel von Grätz

Der Umgang der deutschen Neurologie mit der Telemedizin bei Schlaganfall bleibt befremdlich. Da sorgen Praktiker in Eigenregie für eine bessere Schlaganfallversorgung auf dem Land. Sie bauen Weiterbildungsprogramme auf, installieren Kameras und (!) kümmern sich um die Finanzierung. Sie werten die Resultate aus und berichten darüber in Top-Journalen wie Lancet oder Stroke.

Trotzdem müssen sich die Projektleiter ständig rechtfertigen. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft oder die Deutsche Gesellschaft für Neurologie würden gerne diskutieren, ob der Erfolg der Netze nicht durch die Kamera per se oder eher durch Fortbildung in kleinen Kliniken zustande kam.

Selbst wenn! Fakt ist: Es ist in Deutschland bisher nicht gelungen, ein wirklich flächendeckendes Netz an Stroke Units politisch durchzusetzen. Fakt ist auch, dass es kaum Beispiele für gelungene Schlaganfallverbünde ohne Kamera gibt. Was also soll das Grummeln? Die jetzt wieder in Leipzig artikulierte Sorge, dass private Klinikketten sich Kameras und sonst nichts kaufen, um dann mit Telemedizin zu werben, ist vorgeschoben. Eher drängt sich einem der Verdacht auf, dass Neid im Spiel ist: Internationaler Erfolg außerhalb der akademischen Zirkel? Wo kämen wir denn da hin?

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Telemedizin bei Schlaganfallpatienten

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »