Ärzte Zeitung online, 22.11.2010
 

Telemedizin bei Herzinsuffizienz: Die Sicht wird klarer

BERLIN (gvg). Die TIM-HF-Studie, die komplett in Deutschland durchgeführt wurde, liefert erstmals harte Daten zur Telemedizin bei Herzinsuffizienz. Basis ist eine randomisiert-kontrollierte Großstudie. Die Kernbotschaft: Telemedizin ist für die breite Masse der Herzinsuffizienz-Patienten keine Option.

Telemedizin bei Herzinsuffizienz: Die Sicht wird klarer

Studien-Teilnehmer bei der Blutdruck-Messung. Von der Telemedizin profitieren Patienten, nach einer kardialen Dekompensation, die nicht depressiv sind und eine Ejektionsfraktion zwischen 25 und 35 Prozent haben.

© BMWi

An der von der Berliner Charité koordinierten Studie nahmen 710 Patienten teil, die entweder telemedizinisch oder konventionell versorgt wurden. Im Gesamtkollektiv zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied bei der Gesamtsterblichkeit (primärer Endpunkt). Auch bei den Klinikeinweisungen (sekundärer Endpunkt) gab es keinen signifikanten Unterschied.

"Wir betrachten die Studie trotzdem als Erfolg, weil wir jetzt endlich harte Daten haben, die es erlauben, Rückschlüsse zu ziehen, welche Patienten vom Telemonitoring bei Herzinsuffizienz besonders profitieren", sagte Studienleiter Professor Friedrich Köhler am Montag in Berlin.

Von der Telemedizin profitieren demnach Patienten nach einer kardialen Dekompensation, die nicht depressiv sind und eine Auswurffraktion des Herzens (EF) zwischen 25 und 35 Prozent haben. Zu diesem Schluss kamen die Forscher nach einer gepoolten Analyse einzeln prädefinierter Subgruppen.

Für diese Gruppe seien jetzt Bestätigungsstudien nötig, betonte Professor Karl Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité. Solche Studien befänden sich aber bereits in Planung.

Barmer-Vorstand Dr. Rolf-Ulrich Schlenker überschlug, dass es sich dabei um etwa zehn Prozent aller Patienten mit Herzinsuffizienz handeln dürfte. Er hält gezielte Versorgungsverträge mit definierten Einschlusskriterien für eine sinnvolle Strategie, um die Telemedizin denjenigen Patienten zu Gute kommen zu lassen, die davon profitieren können.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, dessen Haus das Projekt mit acht Millionen Euro gefördert hat, gratulierte den Konsortialteilnehmern von "Partnership for the Heart" zu der Studie, die in Kürze auch hochrangig publiziert wird. "Das war ein weltweit einmaliges Projekt", so der Minister.

Brüderle rief das Gesundheitswesen auf, die Studienergebnisse jetzt rasch in praktisches Handeln umzusetzen, zumal dadurch auch Kosten eingespart werden könnten: "Vor allem in strukturschwachen Gebieten sehe ich große Chancen für die Telemedizin. Eines Tages könnte es Telemedizin auch in Deutschland auf Krankenschein geben", so der Wirtschaftsminister.

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