Ärzte Zeitung online, 29.07.2011

Big Brother: Kardiologen überwachen Patienten virtuell

OSNABRÜCK/BAD ROTHENFELDE (cben). In den Schüchtermann Schiller'schen Kliniken Bad Rothenfelde gehen die Kardiologen mit einem neuen Monitoring-Projekt an den Start. Erstmals können die Ärzte die entlassenen Herzpatienten nach dem Infarkt virtuell in ihrer heimischen Umgebung beim Training auf dem Ergometer beobachten.

Big Brother: Kardiologen überwachen Patienten virtuell

Dr. Detlev Willemsen überwacht nicht nur die Vitalfunktionen der Patienten beim Training zuhause, sondern auch die Ergometereinstellungen online.

© Daniel Meier

Ein Klinik-Arzt schaut seinen Infarkt-Patienten via Internet in die heimische Stube. Er kann die Bewegungsabläufe und Vitalfunktionen kontrollieren und die Ergometereinstellungen sowie die Messgeräte ferngesteuert regulieren, teilte die Klinik mit.

Vitaldaten wie Blutdruck, Pulsrhythmus, Herzfrequenz oder Sauerstoffgehalt im Blut sowie der Trainingsfortschritt werden dem Arzt an seinem Monitor angezeigt. Wenn nötig, kann er sofort eingreifen.

Möglich sei auch ein Training im Freien mit einem Handy oder Smartphone, das die Abläufe aufzeichnet. Per Google-Earth kann der Arzt den Patienten dabei sogar orten.

Projekt soll die Patienten bei der Stange halten

Das Programm sei ein Meilenstein in der Rehabilitation, sagt Dr. Detlev Willemsen, der das Projekt bei den Schüchtermann Schiller'schen Kliniken betreut: "Denn so mancher Herzinfarktpatient fällt nach erfolgreicher Heilbehandlung in alte Gewohnheiten zurück und verzichtet auf das gesundheitsstabilisierende Potenzial einer langfristig nachhaltigen Prävention."

Willemsen: "Nach nur einem Jahr ist er dann häufig wieder in der Verfassung, in der er vor dem Infarkt war." Noch zu wenige Patienten nähmen an Herzsportgruppen teil. 

Das System der europäischen Forschungsinitiative EUREKA soll in zwei bis fünf Jahren marktreif sein. Beteiligt sind neben den Schüchtermann Schiller'schen Kliniken die Universitäten Rostock, Paderborn und Oldenburg, die Technische Universität Dortmund, Siemens, ProSyst Software, Materna sowie Corsience. 

 

 

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