Ärzte Zeitung, 25.01.2012

Hält uns künftig Technik gesund?

Der Kongress für Ambient Assisted Living zeigt es: Assistenzsysteme etablieren sich zu Pflegenetzen und Fitnesscoaches.

BERLIN (gvg). Vom Bewegungssessel bis zu IT-gestützten Behandlungspfaden in der Palliativversorgung reichen die Konzepte und Prototypen, die beim diesjährigen AAL-Kongress in Augenschein genommen werden konnten.

Der Kongress für "Ambient Assisted Living" (AAL) thematisiert zum jetzt fünften Mal den Einsatz von technischen Assistenzsystemen im häuslichen Umfeld.

AAL wird vor dem Hintergrund des demografischen Wandels vom Bundesforschungsministerium seit Jahren in einer ganzen Reihe von Förderprogrammen unterstützt.

Relativ weit gediehen ist das Großprojekt SmartSenior. Es strebt eine offene und modular aufgebaute Plattform für medizinisch-pflegerische und soziale Dienstleistungen an, die mit dem Fernseher oder auch mit Tablet-PC als Nutzerschnittstelle arbeitet.

Auf eine solche Plattform könnten Pflegedienste oder medizinische Versorgungsnetze dann im engeren Sinne medizinische Angebote aufsatteln.

Sessel gegen Couch Potatoes

Ein Beispiel für ein solches Angebot liefert das PAALiativ-Projekt, bei dem Mitarbeiter der Johanniter in enger Abstimmung mit Palliativmedizinern unter Einsatz von IT-gestützten Behandlungspfaden sehr viel enger in die Versorgung eingebunden werden und autonomer handeln können als sonst.

Der erste Prototyp der IT-gestützten Handlungsanweisungen, der in dem Projekt entwickelt wurde, habe die Nutzer im Pflegedienst allerdings nicht überzeugt, sagte Melinda Brell vom OFFIS Institut für Informatik. Derzeit ist die zweite Generation der Software im Test.

Nicht auf die Pflege, sondern auf die Gesundheitsförderung im Alter zielt der GEWOS-Aktivsessel, der von Professor Eckehard Moritz von der SportKreativWerkstatt vorgestellt wurde. Er richtet sich an die "Couch Potatoes" unter den Senioren und soll zur Bewegung animieren.

Der Sessel ist mit einer Ruderfunktion ausgestattet, die ein Fitnesstraining vorm Fernseher gestattet und es dabei auch ermöglichen soll, sich per Online-Verbindung mit anderen Senioren zum virtuellen Wettrudern zu verabreden.

Der Sessel kann außerdem nicht nur in die Horizontale, sondern für Stretch- und Gymnastikübungen auch komplett in die Vertikale gebracht werden.

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