Ärzte Zeitung, 08.04.2013
 

Telemedizin

EBM-Pauschale rückt in weite Ferne

War wohl nichts: Kassen und Ärzte lassen die politische Frist für eine Einigung zur Telemedizin verstreichen. Beim DGIM-Kongress verursachte das nur noch Kopfschütteln.

Von Philipp Grätzel von Grätz

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Telemedizin am Frühstückstisch: Wo bleibt die EBM-Pauschale?

© Frank Peters / Telemedizin-Zentrum Charité Berlin

WIESBADEN. Den 31. März 2013 hat die Bundesregierung im Versorgungsstrukturgesetz als letzte Frist für eine Einigung über die Finanzierung der ambulanten Telemedizin festgelegt.

Diesen Termin hat der Bewertungsausschuss verstreichen lassen, und auf absehbare Zeit ist offenbar auch keine Festlegung zu erwarten: "Es gibt keine EBM-Ziffer Telemedizin, und die wird es auch in den nächsten Tagen oder Wochen nicht geben", sagte Uwe Deh, geschäftsführender Vorstand beim AOK Bundesverband, am Samstag auf dem Internistenkongress in Wiesbaden.

In den Kategorien, in denen sich der Bewertungsausschuss bewege, sei Telemedizin nicht diskutierbar, so Deh. Die Debatten seien geradezu unvorstellbar weit von der medizinischen Versorgung entfernt.

So sei auch darüber gesprochen worden, ob künftig jeder Arzt von der GKV einen Computer oder ein Smartphone bezahlt bekommen müsste. Deh: "Wenn wir die Telemedizin voranbringen wollen, brauchen wir eine Dynamik, die von der Versorgungsbasis ausgeht, sonst geht es nicht."

Allerdings: Engagement der Basis reicht nicht zwangsläufig aus. Wolfgang Loos von der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin brachte das Beispiel der mit telemedizinischer Unterstützung arbeitenden Schwester Agnes.

Viele Projekte nicht vergleichbar

Für deren Hausbesuche im Arztauftrag gibt es zwar eine Abrechnungsziffer. Die liegt aber deutlich unter den Erfordernissen.

Zwei andere oft genannte Beispiele für erfolgreich implementierte Telemedizin, die Schlaganfall-Tele-Netze und die Teleradiologie, sind insofern nicht mit der ambulanten Telemedizin vergleichbar, als sie ausschließlich oder überwiegend am Krankenhaus angesiedelt sind.

Der Bedarf an praktikablen, finanziell abbildbaren Kommunikationslösungen im ambulanten Umfeld ist da: Ein Pneumologe berichtete, dass er seit Jahren Telemonitoring bei COPD-Patienten einsetze und sich von ärztlicher Seite mehr Standards dafür wünsche.

Und ein Hausarzt auf dem Land sagte, er trage sich in Ermangelung anderer Optionen mit dem Gedanken, mit zwei niedergelassenen Facharztkollegen über Skype zu konferieren.

Der Hintergrund ist klar: Telekonsultationen sind im ambulanten Umfeld derzeit nicht vorgesehen. Technisch ausgereifte Speziallösungen sind ohne Vergütung schlicht zu teuer. Skype kostet nichts. - Die ärztliche Basis ist wohl einmal mehr weiter als ihre politischen Vertreter.

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