Ärzte Zeitung, 02.09.2013

Modellprojekt

Telemedizin verbessert Prognose nach Herzinfarkt

Per Sofort-Info durch den Notarzt an die Klinik wird im Rahmen eines schleswig-holsteinischen Projekts bei Infarkt-Patienten viel Zeit gespart. Das verbessert die Prognose.

Von Dirk Schnack

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Versorgung eines Notfallpatienten durch den Rettungsdienst: Noch vom Einsatzort erhalten Kliniken in Schleswig-Holstein die EKG-Daten.

© Pueschner / ZEITENSPIEGEL Stift

PINNEBERG. Die Zeit zwischen dem ersten Kontakt des Notarztes mit einem Herzinfarkt-Patienten und der Öffnung des verschlossenen Blutgefäßes kann deutlich verringert werden. Dies zeigen Erfahrungen mit einem Modellprojekt in Pinneberg.

Partner des Modellprojektes mit dem Namen FITTSTEMI sind die Regio Kliniken im Norden Hamburgs und die Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH).

Sie haben ihre Prozesse im vergangenen Jahr so weit optimiert, dass bei den meisten Patienten zwischen dem ersten Kontakt mit dem Notarzt und der Öffnung des verschlossenen Blutgefäßes nur 89 Minuten vergehen.

In Deutschland beträgt diese Zeitspanne nach Angaben der Projektpartner durchschnittlich rund zwei Stunden.

Um die Zeitspanne zu verkürzen, schreibt der Notarzt vor Ort bei der Erstbehandlung ein 12-Kanal-EKG und übermittelt die Daten per Funk an die Klinik.

Dort bereitet das Team des Katheterlabors alles Notwendige für die sofortige Übernahme des Patienten vor. Der zuvor notwendige Aufenthalt in der Notaufnahme für das Anfertigen eines weiteren EKG entfällt.

Hier haben die Partner die meiste Zeit eingespart: von der Aufnahme im Krankenhaus bis zur Einleitung der Behandlung vergehen jetzt nur noch elf statt rund 50 Minuten.

"Nahezu 80 Prozent aller Patienten werden jetzt vom Rettungsdienst angekündigt und direkt in das Herzkatheterlabor gebracht, wodurch die Hilfe noch schneller erfolgen kann", sagte PD Dr. Thomas Hofmann, Chefarzt der Klinik für Kardiologie am Regio Klinikum Pinneberg.

Davon profitieren nach seinen Angaben besonders Patienten mit Hebungsinfarkt: "Je schneller hier geholfen werden kann, desto besser ist die Prognose."

Schnell informierte Mitarbeiter sind noch nicht die Regel

Ein weiteres Ergebnis des Projekts: Seit dem Start werden in Pinneberg zunehmend schwere Fälle behandelt. "In Pinneberg erhalten Infarktpatienten zügige und professionelle Hilfe. Deswegen steuern unsere Mitarbeiter auch mit schweren Fällen die Klinik an", sagte RKiSH-Geschäftsführer Michael Reis.

Er betonte aber auch, dass zügige und professionelle Hilfe nur möglich sei, wenn die Mitarbeiter schnell informiert werden. Dies sei häufig nicht der Fall:  "Leider kommen noch relativ viele Herzinfarktpatienten selbständig in die Notaufnahme oder werden von Angehörigen gebracht."

Die Einführung des Projektes wirkt sich auch positiv auf die Zahl der Selbsteinweiser aus. Seit Projektbeginn am ersten Juli 2012 ist ihre Zahl von 36 auf elf Prozent gesunken. Die Gründe dafür sind noch nicht bekannt.

Eine vergleichbare Struktur wie in Pinneberg gibt es in Norddeutschland derzeit nach Angaben der Partner nur in Hildesheim.

Entwickelt wurde das Projekt von Professor Karl-Heinrich Scholz, der das Projekt von Niedersachsen aus leitet. Bundesweit beteiligen sich zur Zeit 18 Kliniken.

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