Ärzte Zeitung, 05.11.2013

Radiologie

Kollege Laptop hilft bei Engpässen

Krankenhäuser und Arztpraxen können personelle Engpässe in der Radiologie künftig PC-gestützt abfedern. Ein neu entwickelter teleradiologischer Ansatz hilft dabei.

KÖLN. Bei personellen Engpässen in der Radiologie kann künftig Kollege Computer Krankenhäuser oder Praxen entlasten. Das Teleradiologienetzwerk "reif & möller" hat ein mobiles Vertretungssystem entwickelt. Im Zentrum von "plug + play" steht ein entsprechend programmierter Laptop.

Ihn können Abteilungen oder Praxen anfordern, die wegen urlaubs- oder krankheitsbedingter Ausfälle mit den eigenen Kapazitäten die notwendigen Befunde nicht mehr erledigen können.

"Plug + play ist wie ein Notfallkoffer für die Radiologie", sagte Dr. Tobias Möller, Radiologe und Vorstand des Teleradiologienetzwerks, bei der Vorstellung des neuen Systems in Köln.

Das Prinzip: Das Teleradiologienetzwerk verschickt den Laptop auf Anforderung per Express. Über das Gerät können dann Bilder über eine vorkonfigurierte, sichere Verbindung an das Netzwerk geschickt werden.

"Wir bitten dann einen Kollegen, einen Vorbefund zu erstellen", sagte Möller. Der Verbund könne auf rund 30 Fachärzte zurückgreifen. Einer von ihnen sendet den Befund innerhalb weniger Stunden zurück.

Dabei geht es explizit nur um einen Second-Opinion-Befund. Vor Ort muss ein Radiologe den Befund überprüfen und die abschließende Diagnose stellen - für die er auch allein verantwortlich ist.

Röntgenbilder sind zu groß

"Es geht nicht um Teleradiologie nach der Röntgenverordnung, sondern nur um einen qualifizierten Vorbefund für den Fall des Falles", erläuterte der Radiologe. Daher entfalle für plug + play die Genehmigungspflicht.

Das System solle nur der kurzzeitigen Unterstützung bei einer angespannten Personalsituation dienen. "Wir wollen kein radiologenleeres Krankenhaus", betonte er. Die diensthabenden Radiologen würden entlastet, die Abteilungen hätten keinen Ausfall, warb Möller für das Konzept. "Die Idee ist aus dem Bedarf entstanden."

Geeignet sei der Laptop für Computertomografie- und MRT-Geräte. "Bei konventionellen Röntgenbildern ist das Datenvolumen zu hoch."

Für die Übertragung von 40 Bildern braucht der Computer fünf bis sechs Minuten. Zu den genauen Kosten des Systems wollte sich Möller nicht äußern. Nur so viel: "Es ist preiswerter als ein Vertreter."

Nach eigenen Angaben ist reif & möller aus dem saarländischen Dillingen das größte Teleradiologie-Netzwerk in Deutschland. Es ist seit dem Jahr 2000 aktiv und arbeitet bundesweit mit mehr als 50 Krankenhäusern zusammen. Die Ärzte im Netzwerken erstellen rund 40.000 Befunde im Jahr, sagte Möller. (iss)

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