Ärzte Zeitung online, 27.03.2014

Berlin

Telemedizin für Notfallsanitäter

Mit der Ausbildung zum Notfallsanitäter soll in Berlin auch der Rettungsdienst selbst reformiert werden. Helfen soll in Zukunft vor allem die Telemedizin. Vorbilder dafür gibt es genügend.

Von Angela Mißlbeck

Notfallsanitäter soll Rettungsdienst auf Trab bringen

Soll nicht mehr im Regen stehen: RTW in Berlin.

© Arno Burgi / dpa

BERLIN. Die Umsetzung des Notfallsanitätergesetzes auf Landesebene birgt für Berlin die Chance, den Rettungsdienst weiter zu verbessern. Davon zeigt sich Dr. Stefan Poloczek, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes bei der Berufsfeuerwehr in der Hauptstadt, überzeugt.

"Wir haben eine sehr große Chance, Veränderungen einzubringen", sagte Poloczek der "Ärzte Zeitung". Er begrüßt die Neuregelung der nichtärztlichen Ausbildung für den Rettungseinsatz.

Es sei eine große Neuerung, dass durch die neue Ausbildung das nichtärztliche Personal im Rettungsdienst künftig besser qualifiziert sei, teilweise ärztliche Aufgaben zu übernehmen. Man müsse der Einsatzrealität und dem demografischen Wandel ins Auge sehen, sagte Poloczek. "Wir können nicht jedes Mal einen Notarzt hinausschicken."

Dennoch will er den Notfallsanitätern Notärzte an die Seite stellen, und zwar als telemedizinische Berater. Ein solches Modell ist in Aachen erfolgreich erprobt worden und soll dort nun in den Regelbetrieb übergehen.

Nach dem Aachener Vorbild kann sich Poloczek auch eine Neuorganisation des Rettungsdienstes in Berlin vorstellen. Dann müssten die Einsatzzentralen um Notärzte verstärkt werden, die für Rückfragen von Notfallsanitätern im Einsatz zur Verfügung stehen.

Zukunft Telemedizin?

Vielversprechend erscheint eine solche Lösung aus Poloczeks Sicht unter anderem mit Blick auf die wachsende Bedeutung von organisatorisch-rechtlichen Fragen, wie zum Beispiel dem Umgang mit Patientenverfügungen und Transportverweigerungen in palliativen Situationen.

"Sicherheitshalber muss da jetzt noch der Notarzt gerufen werden. Künftig wären solche Fragen eventuell telemedizinisch lösbar", sagte Poloczek.

Die landesrechtliche Umsetzung des bundesweit zum Jahresbeginn in Kraft getretenen Notfallsanitätergesetzes lässt in Berlin jedoch noch auf sich warten. Klar ist, dass eine Änderung des Berliner Rettungsdienstgesetzes nötig ist, schon allein um die nötigen Strukturen für die neue Ausbildung zu schaffen.

Die Kosten, die für die erstmals eingeführte Ausbildungsvergütung auf Berlin zukommen, beziffert der Senat auf rund elf Millionen Euro. Grünen-Politiker Heiko Thomas geht davon aus, dass es mindestens 15 bis 20 Millionen werden.

Er plädiert dafür, die von Poloczek angeregten Veränderungen im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens umzusetzen. "Wenn man schon so viel Geld in die Hand nimmt, muss man das auch nutzen, um eine bessere Notfallversorgung zu organisieren", sagte er der "Ärzte Zeitung".

Dass das machbar sei, würden Beispiele wie Aachen zeigen, wo der Einsatz von Notärzten um 40 Prozent reduziert worden sei, so Thomas weiter.

Bewährt hat sich aber die Kooperation des Rettungsdienstes mit dem Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). "Viele andere Länder beneiden uns darum", sagte Poloczek.

Knapp 10.000 Anrufer wurden nach seinen Angaben im letzten ausgewerteten Jahr 2012 von der Rettungsdienst-Leitstelle an den Bereitschaftsdienst weitervermittelt, weil sie nach einer standardisierten Ersteinschätzung nicht als Notfälle eingestuft wurden. "Dadurch sind viele Rettungswägen für wichtigere Einsätze verfügbar", so Poloczek.

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