Ärzte Zeitung, 17.10.2014

Kommentar zu Radiologen

Hierzulande undenkbar?

Von Angela Misslbeck

Ein Radiologiezentrum ohne radiologisches Fachpersonal vor Ort? Für Deutschland ist das derzeit undenkbar. Nicht nur gesetzliche und berufsrechtliche Vorschriften stehen dagegen.

Vor allem die Patientensicherheit ist ein starkes Argument dafür, dass an qualifizierten Ärzten und Assistenzkräften vor Ort nicht gespart werden darf. Damit sind telemedizinischen Anwendungen hierzulande enge Grenzen gesetzt. Sie können Ärzte vor Ort im besten Fall entlasten, keinesfalls aber ersetzen.

Was aber, wenn es vor Ort einfach kein qualifiziertes Personal gibt? Das gilt für viele Entwicklungs- und Schwellenländer. Ganz Nigeria hat weniger Radiologen als die Stadt Berlin allein.

Fernbefundung, wie sie das Potsdamer Unternehmen Medneo plant, erscheint in dieser Situation legitim, denn die Alternative wäre gar keine Befundung.

Ähnliche Konstellationen können aber mit der zunehmenden Abwanderung und Überalterung in ländlichen Regionen Deutschlands auch hierzulande künftig auftreten.

Soll für diesen Fall das Fernbehandlungsverbot aufgehoben werden, das auch für die Erstellung von radiologischen Befunden gilt?

Die technischen Möglichkeiten gehen jedenfalls schon jetzt weit über den rechtlichen Rahmen hinaus. Wie dieser Rahmen neu justiert werden soll, muss gesamtgesellschaftlich diskutiert werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Medneo: Moderne Bilddiagnostik aus dem Schiffscontainer

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Verändern schon wenige Joints das Gehirn?

Bei Jugendlichen, die nur ein bis zwei Mal Cannabis geraucht haben, sind Hirnveränderungen entdeckt worden. Diese könnten eine Angststörung oder Sucht begünstigen. mehr »

Bessere TSVG-Regelungen in Sicht?

Die großen Brocken wie die Aufstockung der Mindestsprechstundenzahl will Gesundheitsminister Jens Spahn nicht anfassen. Eine Nummer kleiner können die Ärzte aber wohl mit Änderungen am TSVG rechnen. mehr »

Daran starb Karl der Große

Karl der Große führte Kriege quer über den Kontinent. Sein großes Reich erstreckte sich von der Elbe bis Spanien. Am Ende könnte eine Lungenentzündung den mächtigsten Mann des Mittelalters niedergestreckt haben, mehr »